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Ein Auszug aus „Die Nibelungen in Loch“ von Peter Westernacher:
Im
Hintergrund ist, etwas zusammengepfercht, ein Bergfried zu sehen sowie
eine riesige Taube aus grün gefärbtem Toilettenpapier mit einem nicht
ganz überzeugenden Drachenkopf aufgepfropft. Die Liebenden Siegfried
und Kriemhild stehen davor.
KRIEMHILD:
Siegfried, geh nicht jagen mit Hagen.
Es träumte mir, du kämest nicht zurück. Jagen
bringt Unglück über die Welt. Der Geist des
Waldes und die Tiere sagten mir:
Lass den Wald
Wald sein.
SIEGFRIED:
Ich gehe zu Hagen! Jagen!
KRIEMHILD:
Aber damit greifst du in die Natur ein –
für Sport! Du sollst nicht zum Vergnügen töten,
sondern nur zum Überleben.
SIEGFRIED:
Ich gehe zu Hagen! Jagen!
Da erscheint Hagen
auf der Bühne
in beeindruckender
Lederkluft
mit einem großen Totenschädel
auf der Brust.
HAGEN:
Süße Kriemhild, ich pass’ auf deinen Siegfried
auf. Wir sind wie Brüder – unter Adligen gibt
es kein’ Verrat. Er wird heil wiederkehren aus
dem Wald.
Jetzt treten die
drei Könige auf: Gunter,
Giselher und
Gernot, die offenbar mit Hagen
unter einer Decke
stecken:
GISELHER:
Nur zu, Siegfried! Wenn du Hagen zeigen kannst,
wie gut du jagen kannst, wirst du bei uns im Adel
akzeptiert!
GUNTER: (zu Kriemhild)
Hör nicht auf deine zarten Mädchenträume –
hör auf uns Männer, wir wissen, was läuft …
GERNOT:
Es kann ihm nichts passieren, liebe Schwester.
(kichert)
KRIEMHILD:
Ihr habt sicher recht, ich bin nur eine Frau.
Ach, ich muss mehr auf die Männer hören, die mit
kalter Logik denken. Doch wieso sagt nur immer
wieder eine Stimme tief in mir,
dass genau das
falsch ist?
SIEGFRIED:
Ich gehe zu Hagen! Jagen!
Alle Schauspieler
verlassen die Bühne;
es werden zwei
Pappbäume vor den Bergfried geschoben;
Siegfried und
Hagen kehren auf die Bühne zurück
und tragen diesmal
tote Tiere
über der Schulter.
SIEGFRIED:
Ich habe dich geschlagen, Hagen. Obwohl
es mir wehtat, das freie, glückliche Wild zu
töten. Akzeptierst du jetzt, dass ich der
Stärkste bin?
HAGEN:
Das hast du hiermit bewiesen. Nur noch einen
letzten Wettkampf will ich mit dir machen. Wer
als Erster die Quelle dort erreicht – gewinnt.
SIEGFRIED:
Ich kann nicht widerstehn! Auch wenn ich mein’,
die Stimmen der Naturgeister zu hören, die mir
raunen – Geh nicht zum Wasser hin! – tue ich es
doch, um Männlichkeit zu beweisen.
Es kommt, wie es
kommen muss:
Siegfried bückt
sich über die Pfütze – einen Spiegel –,
und in dem Moment
rammt Hagen
ihm einen Speer
genau zwischen Brust und
rechten Arm.
Siegfried bäumt
sich auf, schreit, stolpert
nach links,
stolpert nach rechts, nochmal nach links,
ich dachte schon,
Hagen würde ihm den Speer noch einmal in die Brust rammen müssen,
aber nach einer
Weile
sinkt der arme
Siegfried doch noch zu Boden.
HAGEN:
Und wer ist jetzt der männlichste Mann,
Siegfried? Haha!
(Höhnisches Gelächter.)
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