Nibelungenfieber
Bürgermeister Hardy Steiner im Interview
Was würden denn Sie tun, wenn Ihnen der Schatz der Nibelungen in die Hände fiele?
Hardy will es wissen

»Pass gut auf – was du hier zu sehen bekommen wirst, das ist ein Wunder, nichts weniger«, prophezeite der Bürgermeister und zog das Tuch fort. Unter dem Glas lag das sagenumwobene Amulett. Es machte seinem Namen alle Ehre. Es zeigte ganz eindeutig einen sterbenden Drachen, aus dessen Brust ein Schwert ragte.

»Wo das herkommt, da ist noch mehr«, sagte Fritz-Eberhard Steiner und nickte bekräftigend. »Es hat die ganze vergessene Geschichte Lochs wieder zu Tage gebracht. Die Nibelungen waren hier, und wir hatten ja keine Ahnung … Das ist ein Gefühl, als ob du plötzlich erfährst, du hast einen reichen Onkel in Amerika und er hat dir alles vererbt. Oder du entdeckst, dass es den Nikolaus wirklich gibt. In dem Moment, wenn du nicht mehr glaubst, genau dann geschehen Wunder.«

Er schloss das Amulett ehrfürchtig wieder ein.

»Weißt du, was das bedeutet, Steve? Wir kommen bald als Nibelungenstadt ganz groß raus. Kennst du Schliemann? Der Mann hat nur einen Fehler gemacht: Er hat Troja nicht in Deutschland gefunden.«

Auf meinen verdutzten Blick hin erläuterte er: »Wenn Troja in Deutschland gelegen hätte, dann hätten die Deutschen so viel Selbstbewusstsein gehabt, dass sie die beiden Kriege nie angezettelt hätten. Oder – sie hätten sie gewonnen. Loch ist das deutsche Troja, Steve. In hundert Jahren – und merk dir, dass ich das gesagt habe, schreib ruhig mit – in hundert Jahren gibt es nur noch drei Städte, über die die Welt spricht – New York, Peking und Loch.«

Das war der Moment, in dem ich begriff, dass der Bürgermeister von Loch verrückt war.

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