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»Pass gut auf – was du hier zu sehen bekommen wirst, das ist ein
Wunder, nichts weniger«, prophezeite der Bürgermeister und zog das Tuch
fort. Unter dem Glas lag das sagenumwobene Amulett. Es machte seinem
Namen alle Ehre. Es zeigte ganz eindeutig einen sterbenden Drachen, aus
dessen Brust ein Schwert ragte.
»Wo
das herkommt, da ist noch mehr«, sagte Fritz-Eberhard Steiner und
nickte bekräftigend. »Es hat die ganze vergessene Geschichte Lochs
wieder zu Tage gebracht. Die Nibelungen waren hier, und wir hatten ja
keine Ahnung … Das ist ein Gefühl, als ob du plötzlich erfährst, du
hast einen reichen Onkel in Amerika und er hat dir alles vererbt. Oder
du entdeckst, dass es den Nikolaus wirklich gibt. In dem Moment, wenn
du nicht mehr glaubst, genau dann geschehen Wunder.«
Er schloss das Amulett ehrfürchtig wieder ein.
»Weißt
du, was das bedeutet, Steve? Wir kommen bald als Nibelungenstadt ganz
groß raus. Kennst du Schliemann? Der Mann hat nur einen Fehler gemacht:
Er hat Troja nicht in Deutschland gefunden.«
Auf meinen
verdutzten Blick hin erläuterte er: »Wenn Troja in Deutschland gelegen
hätte, dann hätten die Deutschen so viel Selbstbewusstsein gehabt, dass
sie die beiden Kriege nie angezettelt hätten. Oder – sie hätten sie
gewonnen. Loch ist das deutsche Troja, Steve. In hundert Jahren – und
merk dir, dass ich das gesagt habe, schreib ruhig mit – in hundert
Jahren gibt es nur noch drei Städte, über die die Welt spricht – New
York, Peking und Loch.«
Das war der Moment, in dem ich begriff, dass der Bürgermeister von Loch
verrückt war.
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