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Das sind lauter nette Szenen, aber wovon handelt denn das Buch eigentlich?
Astrid:
„Nibelungenfieber“ ist eine Komödie, ein satirischer Roman, in dem eine
sehr kleine Kleinstadt namens Loch mitten in Odenwald auf die Idee
kommt, unter ihrem Boden läge der historische Nibelungenhort begraben.
Da kann man ja nichts anderes als durchdrehen. Das ist sicher der
bedeutendste archäologische Fund seit Schliemanns Troja! Endlich steht
Loch im Mittelpunkt des Weltinteresses.
Der Bürgermeister
plant eine großes Festspiel, einen Straßenausbau, ein Museum und mehr.
All das setzt er in Bewegung, bevor der Schatz überhaupt geborgen wird.
Er sieht seine Stadt fortan in der höheren Liga spielen. Und damit
dieser wundersame Wandel von unbekannt zu weltberühmt dokumentiert
wird, lädt er einen amerikanischen Journalisten ein – Steve –, um das
alles zu beobachten. Steve ist der Erzähler des Romans.
Erst
nach und nach merken die Locher, dass das alles nicht so leicht wird,
denn es gibt gewisse Kräfte auf dieser Welt, die es nicht gern sehen,
wenn der kleine Mann sich zum Held emporschwingen will.
Moment mal, wer ist nun eigentlich der Held des Romans – Steve oder der Bürgermeister?
Eric:
Der
Held des Romans ist die Stadt selbst. Der Roman ist das Porträt einer
Stadt. Als ich 2001/2002 auf meiner Mittelalterreise war – meiner
„Nibelungenreise“ – bin ich oft in diesen deutschen Kleinstädten
gelandet und ich sah immer wieder, wie die Menschen dort mit großer
Anstrengung versuchten, etwas daraus zu machen. Jedes Dorf hatte etwas
Besonderes: den größten Strauch Deutschlands, das erste Schnarchmuseum
der Welt oder einen berühmten jährlichen Kusswettbewerb. Und sehr oft
war es eben ein Festspiel zu Ehren irgendeiner lokalen Legende.
Sie
leiden darunter, übersehen zu werden und lassen sich eine Menge
einfallen, um das zu richten. Das fand ich einerseits oft witzig – sie
sehen sich auch selbst meist mit einer Prise Ironie – aber andererseits
mutig und bewundernswert. Alldem wollten wir einen kleines,
unterhaltsames Denkmal setzen.
Gibt es eine reale Stadt im Odenwald namens Loch?
Astrid:
Loch
ist eine reale Stadt – wir wehren uns dagegen, die Stadt als
nicht-existent abzutun. Auch wenn wir sie erfunden haben. In
historischen Atlanten finden Sie Ortschaften mit Namen wie „Lochheim“
und „In den Lochen“, aber damit Loch real werden konnte, mussten wir es
halt erfinden.
Gibt es wirklich Menschen, die heute noch nach dem Nibelungenschatz suchen?
Eric:
Ich
persönlich habe drei Menschen kennengelernt, die große Anstrengung
unternehmen, den Schatz zu finden. Und wer weiß? Vielleicht haben sie
auch Recht und es gibt den Schatz wirklich. Es scheint zwar
unwahrscheinlich, denn die Nibelungen sind ja nur eine Geschichte wie
„Krieg der Sterne“, und niemand würde deswegen gleich auf die Suche
nach Todesstern gehen.
Das Problem ist: es gibt im
„Nibelungenlied“ eine sehr reizvolle Stelle, die die Fantasie fast
unerträglich anregt. Da steht, der Schatz wurde „ze Loche in den Rin“
versenkt bzw. vergraben. Was ist ein „Loch im Rhein“? Eine
Unterwasserhöhle? Eine zerklüftetes Ufer? Sind vielleicht die
historischen Ortschaften „Lochheim“ oder „In den Lochen“ gemeint – oder
gab es gar einen Ort am Rhein mit dem Namen Loch?
Aber wenn Loch mitten im Odenwald liegt, ist das überhaupt nicht am Rhein.
Astrid:
Lesen Sie das Buch. Auch dafür finden unsere Helden eine beinahe logische Erklärung!
Was ist der Unterschied zwischen deutschem und anglo-amerikanischem Humor?
Eric:
Deutscher Humor ist ein bescheidener Humor. Es handelt sich oft um leise Ironie oder um Ausflüge ins Absurde.
Astrid:
Wir haben aber auch Schadenfreude und nicht zu knapp.
Eric:
Der witzigste Satz, den mir jemals eine Deutsche gesagt hat, war, „Aber hallo.“ Es war unglaublich komisch.
Astrid:
Was
soll das? Das ist nur das Ende des Witzes. Du kannst nicht das Ende des
Witzes erzählen ohne den Anfang und erwarten, dass die Leute lachen.
Eric:
Ich weiß aber nicht mehr, worauf der Satz eine Reaktion war. Ich weiß nur, dass es witzig war: „Aber hallo.“
Astrid:
In Nibelungenfieber versuchen wir, beides zu vereinbaren. Einerseits
viel Klamauk – die Selbstmordszene, die Sexwitze, die
Kneipenschlägerei. Andererseits haben wir versucht, absurde, völlig
unerklärliche Elemente einzubauen: Wenn Steve von den Jungs durch die
Felder gejagt wird, werfen sie sich die Kleider vom Leib. Warum? Wir
wissen es auch nicht. Wir fanden sie Situation einfach absurd. Oder
dieser Satz von Astrid: „Ich weiß nicht, wer Sie sind, aber Finger weg
von der Prostata meines Mannes!“ Oder Drafi – der ist natürlich
Parodie. Der schönste Satz aus dem Mund unseres eingebildeten, aber
unfähigen Hamburger Regisseurs, den wir aus rhythmustechnischen Gründen
kürzen mussten, war: „Die Welt ist eine Bühne. Das Leben ist eine
Bühne. Die Bühne ist eine Bühne.“ Allerdings, so absurd ist das nicht –
man kann sich gut vorstellen, so ein Satz in einem Interview mit Peter
Stein zu hören.
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