Nibelungenfieber
Eine Unterhaltung mit Aische Degobedan
"Deine Finger werden diese Titten nicht berühren, bis deine Faust seine Nase poliert hat."
Aische will Respekt

Auf einem der drei weißen Plastikstühle saß eine junge, Tee trinkende Göttin, die dem Treiben zuschaute. Sie hatte einen Teint wie nach einem sonnigen Tag am Strand, diese Farbe, die bestimmte Frauen im Sonnenstudio zu erreichen suchen, mit dem Unterschied, dass sie bei ihr nicht wie angebacken aussah. Pechschwarze Locken flossen ihr über Schulter und Rücken und sagten der Welt trotzig: ›Ich koste zwei Stunden Arbeit jeden Morgen, Baby, mach mir das erst mal nach.‹ Ihre Jeans saßen wie angegossen, und ihre weißen Peep-Toes weckten in mir eine fast unheimliche Sehnsucht, ihr regelmäßig die Zehennägel zu polieren.

Die junge Dame musterte mich skeptisch. Als unsere Augen sich zufällig trafen, witterte ich meine Chance. Ich fragte, was »wunderschöne Augen« auf Türkisch heißt.

»Was bedeutet ›blöde Anmache‹ auf Englisch?«, erwiderte sie.

Ich lachte herzlich. »Du weißt, dass ich Ami bin?«

»Mein Vater hat es mir gesagt.« Dieser drückte mir in dem Moment einen Döner in die Hand.

»Wir Ausländer müssen zusammenhalten«, erklärte ich ihr, während ich ausgehungert das triefende Ding in mich hineinmampfte.

Das Fräulein blickte mich merkwürdig an. »Du bist Ausländer, stimmt«, sagte sie langsam, wie zu einem Kleinkind. »Ich bin in Darmstadt geboren. Wieso bist du aus Amerika hierhergekommen? Weil wir hier die bessere Sozialhilfe haben? Das sind meine Steuern, von denen du lebst.«

Ich wollte erwidern, dass mein amerikanischer Stolz es mir verbietet, jemals Sozialhilfe anzunehmen, aber ehrlich gesagt hatte ich mich schon in den letzten Tagen gefragt, ob genau das möglich wäre.

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