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Ich
verliebte mich in Claudia in der Nacht, in der sie mir
erzählte,
dass sie ihren Vater umgebracht hatte und danach ihre Mutter. Wir waren
in
meinem Bett. Ich wusste nicht, ob sie mich verarschen wollte, aber ich
wusste,
es hätte die Wahrheit sein können, und ich wusste,
sie könnte auch mich
umbringen, wenn sie wollte, und ich griff nach ihr, drehte sie um und
machte
mich erneut an ihrem Körper aus Granit zu schaffen. Damals
begriff ich nicht,
dass sie ein Mutant war, aber ich ahnte zum ersten Mal, dass Frauen in
Berlin
anders waren.
Als
ich herzog, war das erste, was ich tat, eine Aufreißerbar
ausfindig zu machen, die bequem zu Fuß zu erreichen war. Ich
fand die berühmte
Zoulou Bar. Man ging rein, und man konnte durch den Rauch hindurch den
Sex
riechen. Es war die Art, wie die Mädchen im Schatten ihre
Position veränderten,
wie sich Augen auf einen richteten, wenn man die Tür
öffnete. Man musste sich
an den Frauen, die an der Bar saßen, vorbei quetschen, und
wenn man ihren
Rücken streifte, wußte man, dass sie versuchten,
einen zu mustern, ohne sich
umzudrehen. So etwas hatte ich noch nie erlebt, weder zu Hause in
Amerika noch
irgendwo anders in Deutschland, obwohl ich hier schon seit einiger Zeit
gelebt
hatte. Ich war fest entschlossen, jede Nacht wilden Sex zu haben, und
vielleicht hätte ich das auch geschafft, wäre ich
nicht an die Mutantenfrauen
von Berlin geraten.
Dies
sind meine fünf Gesetze der Mutantenfrauen von Berlin: 1)
Sie kommen nach Berlin, um aus irgendwelchen gewöhnlichen
Umständen
irgendwoanders herauszukommen. 2) Sie sind unfähig, einfach zu
heiraten, Kinder
zu bekommen und sich niederzulassen, oder aber Karriere zu machen und
Profis zu
werden und sich schuldig zu fühlen, weil sie keine Kinder
haben, sich nicht
niedergelassen haben, oder was auch immer vonnöten ist, um wie
andere Mädchen
zu sein. 3) Sie wissen nicht, warum sie zu all dem nicht fähig
sind. 4) Sie
sind sexy. 5) Sie sind scheinbar die einzigen Frauen, die sich mit mir
unterhalten wollen.
Mutantenfrauen
sind, ohne es zu wissen, mit einem unsichtbarem
Gen gesegnet und verflucht, das es ihnen ermöglicht,
erstaunliche, einmalige
Dinge in bestimmten ungewöhnlichen Umständen zu
vollbringen, die jedoch leider
nie eintreten. Laut Darwin ist dieses Mutantengen bestimmten
Mitgliedern der
menschlichen Rasse mitgegeben, damit sie sich an unvorgesehene
Veränderungen
der Umwelt anpassen können, so diese Veränderungen
jemals auftreten sollten.
Ein Mutantenfisch könnte zum Beispiel Füße
haben, was ihn sexuell anziehend
machen würde, sollte alles Wasser auf der Welt
plötzlich verschwinden. Aber bis
das passiert, kichern alle Mädchenfische nur über ihn.
Einmal
wurde ich einer nervösen, schönen 19jährigen
Künstlerin,
die früher Prostituierte gewesen war, vorgestellt, sie trug
weite Batikkleider
und hatte ein Batiktuch um ihren kahlen Kopf geschlungen. Sie kam aus
irgendeiner
kleinen Stadt, und ihr Arschloch-Freund hatte begonnen, sie an seine
Kumpel in
der Schule zu verkaufen, und sie hatte sich dummerweise darauf
eingelassen.
Jetzt, nur ein paar Jahre aus der Schule raus, hatte sie einen Tumor im
Kopf
und gerade die Chemotherapie abgebrochen und erwartete, in ein paar
Monaten zu
sterben. Ich ging mit ihr aus, auf ein paar Drinks, aber sie halfen
nicht, ihre
Nervosität zu beruhigen. Ich brannte darauf, sie auszuziehen,
aber hinterher,
als wir auf die U-Bahn warteten, beschloss ich, nicht zu versuchen, sie
mit zu
mir zu nehmen. Sie verabschiedete sich nicht, als ich sie in die U-Bahn
schob,
aber ich fühlte, dass sie mich verfluchte, weil ich sie
abgelehnt hatte, so wie
sie ihr unglückliches Leben verfluchte. Sie wird inzwischen
tot sein. Jedes Mal
wenn ein Buch oder ein Glas oder ein Apfel ohne ersichtlichen Grund von
einem
der oberen Regale fällt, packt mich der panische Gedanke, dass
ihr Geist
versucht, mich aus dem Nichts anzugreifen.
Inge
war die einzige Frau in der Zoulou Bar, die älter als
fünfzig war, und war somit aus dem Rennen, aber sie kam
täglich so gegen ein
oder zwei Uhr morgens. Als führte sie den Vorsitz von dem
ganzen Hokuspokus,
saß sie in einer Ecke, ein Bier vor sich auf dem Tisch, und
beäugte lüstern die
jungen Männer, um dreißig Jahre jünger als
sie. Wenn man ihr Gelegenheit gab,
erfreute sie einen mit Geschichten über die miesen, nutzlosen
Schurken in ihrem
Leben, die sich Männer nannten, und riet einem, sich die Haare
schneiden zu
lassen. Ich habe sie nicht mehr gesehen, seit das Management der Zoulou
Bar
gewechselt hat, und ich fürchte, sie ist bereits tot. Ich
frage mich oft, wie
viele andere Frauen, die ich kenne, ihre letzten Jahre so verbringen
werden,
wie sie es tat.
Sex
mit Anna war Glückssache. Manchmal rief sie mich an und
flehte, dass ich zu ihr kommen solle, und dann verschlang sie mich in
fünf
Minuten und ließ mich dann fallen. An anderen Tagen brach sie
bei dem Gedanken
an Sex in Tränen aus und nannte mich eine Bestie, weil ich so
etwas
vorgeschlagen hatte. Schließlich floh sie freiwillig in
psychologische
Behandlung und kam verlobt zurück. An dem Tag, an dem sie
einen anderen Mann
heiratete, sah ich, zwischen pastellfarbenen Kreuzen und den
glühenden
abstrakten Gemälden in ihrem Atelier, zwei Zeichnungen von
außerirdischen,
grünlich schimmernden Männern, die wie kosmische
Besucher in der Tür standen,
gekommen, um sie mit in ein besseres Zuhause zu nehmen. Als ich
später
erzählte, dass ich diese Bilder mehr mochte als alles andere,
das sie je gemalt
hatte, wusste sie nicht, wovon ich sprach.
Zwei
Mutantenfrauen lernte ich etwas genauer kennen. Ihre
Geschichten ähnelten sich, aber nach zehn Jahren in Berlin
glaubt Susi-Sara
noch immer, dass es eine Welt gibt, in die sie passt, während
Claudia begriffen
hat, dass sie für den Rest ihres Lebens unter Fremden leben
wird.
Susi-Sara
wuchs als jüngstes Kind in einem großen Bauernhaus
auf. In einer katholischen Familie mit dreizehn Kindern war sie das
kleine
Prinzesschen. Jetzt, auf die Dreißig zugehend, lebt sie in
Berlin und scheint
die meiste Zeit mit dem Versuch zu verbringen, zu begreifen, wann und
wie ihr
das Prinzesschen-Leben verleidet wurde.
Sie
erzählte mir von der Zeit, als sie versuchte, sich mit
zwanzig Tabletten umzubringen. Als Teenager hatte man ihr Tabletten
für ihren
Kreislauf oder so was gegeben, und sie schluckte die ganze Packung,
ohne vorher
herauszufinden, was sie enthielten. Heute glaubt sie, dass sie einfache
Placebos gewesen sein könnten. Am nächsten Morgen
wachte sie spät auf, aber
niemand hatte bemerkt, dass sie versucht hatte, sich umzubringen.
"Is'
auch doof, oder?"
Wir
unterhielten uns auf einer Decke auf dem Rasen im
Kleistpark, einem Berliner Park, der praktisch ein runder Rasenfleck
ist,
umgeben von den Gerichtsgebäuden, in denen die
berüchtigten Nazi-Prozesse
stattgefunden haben. Es war während der ersten Wochen des
Sommers 2000, als die
Sonne immer schien und der Himmel immer sehr blau war. Susi-Sara machte
sich
immer großstädtisch-elegant zurecht, aber heute trug
sie ein rot-grünes
Kopftuch um ihre kurzen, schieferschwarzen Haare, so wie es in diesem
Sommer
Trend war. Ihre blauen Augen funkelten, ihr Lächeln war warm
und leicht und
ihre Brüste waren großzügig und einladend -
einfach alles, was man sich von
einem Countrygirl wünschen könnte. Es war wie ein
Picknick, bei dem ich einer
von vielleicht zwölf Landjungs war, die alle hofften, von ihr
erwählt und mit
hoch auf den Heuboden genommen zu werden, und alle deuteten ihre
Signale
falsch.
Ihr
Selbstmordversuch kam nicht lange nach der Sache mit den
blutigen Hosen.
"Damals
war ich zelten gegangen mit meiner Freundin und
die Nachbarjungs – zehn Jungs oder so – haben in so
einer Feldscheune
geschlafen. Und dann sind wir abends hin und haben uns besoffen.
Natürlich
wollte jeder eine abknutschen so, und ich konnte mit der Situation
nicht
umgehen, ich war viel zu jung. Einer wollte unbedingt mit mir schlafen
und so,
ich war total überfordert mit der ganzen Situation, ich habe
mich auch Scheiße
gefühlt, aber zum Unglück habe ich in der Nacht meine
Tage gekriegt und das
nicht bemerkt und meine Hose war total blutig und ich lag morgens noch
besoffen
und mit dickem Kopf da und sie haben sich alle über mich
lustig gemacht. Ich
war 13, 14 Jahre alt. Dann kamen meine Nachbarn und standen so
über uns und
haben uns beschimpft und ich wäre eine alte Hure und
würde was weiß ich machen.
Dann kam mein Vater angebraust. Sie haben ihm Bescheid gesagt. Alle
anderen
sind verschwunden, und ich war dann da mit meiner blutigen Hose und er
hat mich
natürlich geschlagen und ich musste nach Hause."
Ich
fragte sie, wie ihr Vater die blutige Hose interpretiert
hatte – hatte er gedacht, dass sie mit einem der Jungs
geschlafen hat? Mit
mehreren? Dass sie in dieser Nacht ihre Jungfräulichkeit
verloren hatte? Aber
Susi-Sara wusste nicht, was ihre Familie dachte – sie hat es
nie
herausgefunden.
"Sie
reden ja auch nicht darüber. Sie fragen nicht. Was
ist dann passiert, oder Was ist überhaupt los? Was denkst du?
So was gibt es
nicht. Die haben nur gesagt, du bist eine alte Schlampe und du darfst
den
ganzen Sommer nicht raus und du musst arbeiten."
Ihre
bitterste Klage über ihre Eltern betraf deren
"Botschaften aus dem Bauch raus: man muss zur Kirche gehen, man muss
einen
ordentlichen Beruf lernen, man muss irgendwann heiraten, aber am besten
keinen
Sex haben, weil es unanständig ist. Alleine, dass man
große Brüste hat, ist
eine Katastrophe. Meine Mutter hat mir ständig auf die Brust
geglotzt,
ungefähr: die Sünde schlechthin."
Als
sie darüber sprach, nahm ihre Stimme einen hilflosen Ton an
und sie hätte beinahe geweint. Im Geist sah sie ihren Vater
über ihr stehen,
und sie war wieder sein 14jähriges Mädchen mit der
blutigen Hose, unter seinem
anklagenden Blick für immer erstarrt. Sie lachte, schniefte
und sagte:
"Nur eine kleine Geschichte von Tausenden."
Bevor
sie den Bauernhof für immer verließ, lebte sie
für kurze
Zeit in einem Dorf, das nicht sehr groß war und nicht sehr
weit entfernt lag –
eine Art Trockentraining für die Unabhängigkeit. Dort
wurde sie der
Prostitution beschuldigt. Sie besuchte dort eine Fachhochschule
für Pädagogik.
Obwohl anderswo schon die 80er Jahre herrschten, war es in dem
Wohnheim, wo sie
wohnte, gegen die Regeln, wenn Männer über Nacht
blieben. Eines Abends nahm sie
ihren Freund mit nach Hause und er war zu betrunken, um noch fahren zu
können,
also schlief er dort, und am nächsten Morgen stürmte
die Vermieterin ohne
anzuklopfen herein und schmiss sie aus dem Bett. Dann schrieb sie
Susi-Saras
Eltern einen zwölfseitigen Brief, in dem sie sie der
Prostitution beschuldigte
und detailliert die Sexpraktiken beschrieb, die sie angeblich mit ihren
Freiern
ausübte. Sie verlangte 10.000 Mark Entschädigung, da
derRuf ihres Wohnhauses
ruiniert sei. Susi-Sara wusste, dass der Brief unterwegs war und rief
zu Hause
an, um ihre Brüder und ihre Mütter zu bitten, den
Brief nicht zu öffnen, ehe
sie nach Hause kam und alles erklären konnte, aber sie taten
es natürlich
trotzdem. Als die Vermieterin am selben Tag anrief, noch bevor
Susi-Sara zu
Hause angekommen war, entschuldigten sie sich für ihre
Schwester/Tochter und
erklärten, dass sie immer ein Problemkind gewesen sei.
Schließlich kam ihr
Vater, der fort gewesen war, zurück und las den
lächerlichen Brief und brachte
die Vermieterin vor Gericht, wo man herausfand, dass sie tief
verschuldet sei
und wiederholt in Irrenanstalten gewesen war. Aber es war zu
spät: Sie wusste
bereits, dass ihre Familie die letzten Leute auf der Welt waren, auf
deren
Unterstützung sie zählen konnte.
Schließlich
fand Susi-Sara heraus, dass sie nach Berlin gehen
musste. Zuerst besuchte sie die Stadt ein paar Mal und fand Gefallen an
ihrem
Tempo. "Dann habe ich einfach gesagt, ich ziehe nach Berlin, und alle
anderen haben gesagt, Ja, da haben wir schon drauf gewartet. Die
anderen waren
nicht überrascht, ich war überrascht."
Als
sie herkam, war sie ein Landei-Witz auf zwei Beinen:
"Ich habe tausend Leute kennengelernt. Wenn mich jemand angeguckt hat,
habe ich Hallo gesagt. Und das erste Mal, als ich U-Bahn gefahren bin,
habe ich
alle Menschen da drin kennengelernt. Ich kann es mir heute selber nicht
mehr
vorstellen. Wenn du auf dem Lande bist und jemand war extravagant
gekleidet
oder hatte Rastazöpfe zu der Zeit oder irgendwie so was, dann
waren das einfach
Leute, die für was anderes eingestanden sind wie das, was da
passiert ist. Hier
in Berlin waren auch all diese ganzen Leute und ich habe es nicht
geblickt,
dass es hier einfach Mode ist. Dass es nicht wirklich eine
Lebensauffassung
ist. Und ich bin halt rumgerannt nur mit offenem Mund."
Dann
wurde es bitter. Sie bekam nicht die Wohnung, die ihr
versprochen war und der Mann, der ihr Versprechungen gemacht hatte,
hatte noch
eine Handvoll anderer Frauen außer ihr. "Dann war es kein
Zuckerschlecken
mehr", sagte sie. "Ich konnte die Menschen nicht mehr
einschätzen.
Wenn ich Tabak kaufen gehen wollte, hatte ich die Taschen voll von
irgendwelchen Sachen, die ich gar nicht brauchte. Ich hatte
fünf Jesusanhänger,
drei Penner und was weiß ich an meinen Hacken, mit denen ich
fünf Stunden
diskutieren musste, weil ich nicht nein sagen konnte. Auf dem Lande ist
man
immer nett, man kennt sich, wenn der Bürgermeister dich zum
Tanzen auffordert,
dann sagst du nicht nein, obwohl er ein Arschloch ist. Und dann stehst
du da und
dich packt jemand an den Busen oder sagt, He Alte, verpiss dich, und du
kannst
es nicht einschätzen, du denkst, du bist das Schlimmste auf
der ganzen
Welt."
Angst
nahm Besitz von ihr und sie fühlte, wie sie in den
Wahnsinn rutschte. "Ich saß oft allein zu Hause, und diese
Fenster, die
haben mich wahnsinnig gemacht, weil ich nicht wusste, was hinter diesen
ganzen
Fenstern steckte – Mörder, was weiß ich,
ich habe immer negativ gedacht. Das
Leben wurde halt immer mehr zu so einem Traum. Dann ist es so schlimm
geworden,
dass ich nicht mehr laufen konnte. Ich hab da manchmal in der U-Bahn
gesessen,
schweißüberströmt, und konnte mich nicht
mehr bewegen vor Angst. Totale Panik.
Wenn ich laufen wollte, sind mir die Beine weggesackt und es hat sich
alles
gedreht und ich habe mich manchmal an irgendwelche
Treppengeländer gehangen und
konnte mich nicht mehr bewegen und habe nur geheult und bin zweimal von
der
Feuerwehr abgeholt worden."
Nach
einigen Aufenthalten in psychiatrischen Anstalten traf sie
Freunde, die sie für eine Weile bei sich aufnahmen und ihr
halfen, wieder auf
die Beine zu kommen. Jetzt hält sie sich mit Sozialhilfe und
einfachen Arbeiten
über Wasser, aber sie weigert sich, die Hoffnung aufzugeben,
dass irgendwann
der richtige Job, das richtige spirituelle Rezept oder der richtige
Mann sie
umhauen und glücklich machen wird.
Sie
hat Ausbildungsprogramme als Tischler, Kindergärtnerin,
Goldschmied und Restaurateur gemacht, sie hat an Sozialprojekten
mitgearbeitet
und in einem Kinderzirkus, sie war Angestellte in einem Reformhaus, hat
Kinder
gehütet und nach Ladenschluss in einem Fahrradladen geputzt.
Die
New-Age-Therapien, die sie ausprobiert hat, waren unter anderem
Lichttherapie,
Verhaltenstherapie und Handauflegen, Familientherapie, aus der Hand
lesen und Aromatherapie.
Sie war in Indien, um einen Guru zu besuchen, hat Zeichenunterricht
genommen
und Trommel in einer Amateur-Samba-Band gespielt. Manchmal hat sie es
mit der
Veränderung so ernst genommen, dass sie ihren Namen von Susi
zu Sara änderte
und dann wieder zurück zu Suzanne. Ihre
Hartnäckigkeit, vor der Realität nicht
zu kapitulieren, ist ehrfurchtgebietend.
Sie
suchte nach Liebe, aber fand sie nie. Nicht einmal eine
Beziehung, die länger als ein paar Monate hielt. Und trotzdem,
jedes Mal, wenn
ich sie treffe, erzählt sie mir, dass sie verliebt ist, und
sie seufzt und
kichert und ich weiß, dass sie im Geist wieder 17 ist und zum
ersten Mal
verliebt.
Ich
lernte sie in der Zoulou Bar kennen und es gelang mir
nicht, sie ins Bett zu kriegen, weil sie mal wieder hinter einem Typ
her war,
der sich nicht für sie interessierte. Damals hatte sie ihre
Schwarz-Afrikaner-Macho-Phase und jetzt hat sie eine
Türkische-Macho-Phase. Sie
machte aus mir den netten Nachbarn, der sich ihre
Herz-Schmerz-Geschichten
anhörte, immer wenn sie wieder vom neuesten
süßen Tantra-Trainer oder
raffinierten, selbsternannten Schauspieler/Regisseur abserviert worden
war.
Hätte ich etwas Selbstrespekt, dann hätte ich mich
aus ihren Klauen befreit,
sobald mir bewusst geworden war, das dies meine Aufgabe sein
würde, aber ich
konnte ihren großen Augen und der
kleine-Mädchen-Stimme nicht widerstehen. Ich
kompensierte das, indem ich sie ab und zu anschrie, damit sie die
Arschlöcher
wenigstens fragte, ob sie Freundinnen hatten, bevor sie sich in sie
verliebte,
aber sie wusste, dass ich neidisch auf sie war, weil sie sie so leicht
haben
konnten.
Eine
gemeinsame Freundin von uns sagte mal über Susi-Sara, sie
sähe magische Dinge, die andere nicht sehen und
wertschätzen konnten, wie ein
Taucher, der unter Wasser einen Schatz finden kann, aber nicht in der
Lage ist,
ihn an die Oberfläche zu bringen. Hätte man eine
Blume auf dem Fensterbrett,
die den Kopf hängen ließ, oder einen Stein, der
unglücklich aussah, so könnte
man sie anrufen und sie würde kommen und besänftigend
mit ihnen reden und sie
würden wieder aufleben, aber wen kümmert heutzutage
schon das Glück von Blumen
und Steinen? Ich stellte sie mir als eine dieser heiligen Huren/
Priesterinnen
in einem archaischen Tempel vor, wo primitive Anbeter sie fickten und
so all
deren Sünden in sie flossen und von den Göttern
aufgesogen wurden und die
nächste Ernte würde gut sein. Einmal fragte ich sie,
was sie am liebsten wäre,
wenn sie die Wahl hätte, wenn die Welt sich ihren
Bedürfnissen anpassen würde,
und sie sagte verträumt: "Oh, wenn ich wählen
müsste, genau eine bestimmte
Sache zu sein, das wäre viel zu langweilig. Ich will alles
sein."
Ich
erblickte Claudia zum ersten Mal in der Zoulou Bar. Sie war
groß und muskulös und saß ganz aufrecht
auf ihrem Barhocker, obwohl sie
betrunken war. Sie war mit ihrer besten Freundin Paula da.
Während Paula die
Bar mit einem ständigen, prächtigen Lächeln
beehrte, hüllte Claudia sich in
tiefe Vorsicht ein. Aber wenn sie einen mochte, schmolz das fort und
sie wurde
geschmeidig und sanft, sie senkte ihre Lider und es war, als
sähe man die
kalte, marmorne Venus wieder ein kleines Mädchen werden, sanft
und leichtsinnig
und neckend.
Ich
versuchte die ganze Nacht, sie ins Bett zu kriegen. Ich
erzählte ihr, ich wäre ein Schwede, der in Berlin
nach den Spuren der Wikinger
forscht; ich wäre ein australischer Country- und
Westernsänger auf
Deutschlandtournee; ich wäre ein Mormone aus Hawaii und
studierte das
Mittelalter, was stimmte, aber das glaubte sie natürlich auch
nicht. Nichts
funktionierte, aber sie ließ mich ihren durchtrainierten
Bauch und ihre
Armmuskeln fühlen und bot an zu beweisen, dass sie ein Kung Fu
Experte war und
wollte gleich dort gegen mich kämpfen. Später durfte
ich sie ein wenig küssen.
Wir
wurden Geliebte und sie quälte mich, indem sie mich im
Regen stehen ließ, während ich verzweifelt an ihrer
Tür klingelte, immer, wenn
sie mit mir Schluß gemacht hatte, und ich quälte sie
zurück, indem ich die
Rechtschreibung in ihrem Abschiedsbrief korrigierte und ihr dann
zurückschickte.
Ihr
zäher Körper hatte etwas unbeeindrucktes,
eichenhaftes an
sich, und wenn wir zusammen waren, würde ihr Arsch mich
verrückt machen und der
Gedanke an ihn tut das noch immer. Ich wollte reinbeißen und
einfach drauflos
kauen. Ihre Reserviertheit verzehrte mich. Ich wollte sie in Ketten
legen und
ihr eine Lektion erteilen. In Paulas Wohnung alberten wir herum und
plötzlich
zog ich meinen Gürtel aus den Laschen und fesselte sie an die
Sprossenwand, bis
Paula aus der Küche kam und mir befahl, damit
aufzuhören. Wenn wir fickten,
schloss sie ganz konzentriert die Augen und schien sich an einen
dunklen Ort
zurückzuziehen, wo sie mit einer kleinen, flauschigen,
gewalttätigen Kreatur um
ihren Orgasmus zu ringen begann. Das vermisse ich immer noch. Wenn es
wieder
geschehen könnte, wenn sie es wieder geschehen lassen
würde, wenn sie sich
darauf einließe, würde ich mich nur ein klein wenig
über den Abgrund namens
Claudia beugen und direkt wieder reinfallen.
Als
ich schließlich der nächsten Mutantenfrau ins Netz
ging und
sie betrog, sagte sie, es wäre wirklich schade –sie
hätte gerade begonnen zu
glauben, dass ich tatsächlich etwas für sie
empfände.
Jahre
später rief ich Claudia an und sagte, dass ich mit ihr
über ihre Eltern reden wollte. Wir trafen uns an einem
sonnigen Nachmittag am
überfüllten Schlachtensee draußen vor
Berlin. Claudia ging es besser als es ihr
lange Zeit ergangen war: sie hatte einen neuen Job, neue Sachen und sah
gut
aus. Am See schwirrten etliche Gruppen 17jähriger herum,
schlacksige Jungs mit
coolen Haarschnitten und aufdringliche Mädchen mit straffen
Brüsten und
Sonnenbrillen, und eine Menge Hunde und fette Frauen ohne Oberteil.
Claudia
saß da, zu einer Seite gelehnt, die Beine unter sich
gefaltet wie ein Schneider, ihr enganliegendes, synthetisches,
silbergraues
Kleid glitzerte in der Sonne. Ich schaue gern zu ihr herauf, weil sie
dann
aussieht, als rage ihr Hals in den Himmel, und ich kann mir vorstellen,
dass
sie die Königin der Welt ist und insektenartige
Außerirdische kämen in Tausenden
von Raumschiffen, um die Erde zu besetzen, und das erste, was sie
täten, wäre,
uns zu befehlen, ihnen unsere Menschen-Königin zu senden, um
mit ihnen zu
verhandeln. Dann würden sich alle Präsidenten und
Könige ansehen und sagen:
"Menschen-Königin? Warum hat daran noch niemand gedacht?" Dann
würden
sie mich um Rat fragen und ich würde einfach auf Claudia
zeigen.
Ich
fragte sie, ob sie ihre Mutter und ihren Vater umgebracht
hätte und sie lachte und sagte, dass sie mich nur verwirren
wollte, und genau
das tat sie am liebsten mit Männern.
Ihr
Vater war in den 80er Jahren gestorben, bevor sie das erste
Mal nach Berlin kam. Er fuhr von einer Bar auf dem Fahrrad nach Hause,
als ihn
ein Auto anfuhr. Ihre Mutter starb ein Jahr darauf.
Sie
war gerade nach Berlin gezogen und war zufällig auf einen
Sprung nach Hause gekommen an diesem Tag. Ihre Mutter und sie waren
lange
aufgeblieben und hatten geredet, und am nächsten Morgen wachte
Claudia spät
auf. Sie frühstückte und sah sich im Haus um, konnte
aber ihre Mutter nicht
finden. Schließlich ging sie ins Schlafzimmer und sah ihre
Mutter ausgestreckt
auf dem Ehebett liegen. Auf ihrem Gesicht waren blaue Venen
hervorgetreten. Die
Ärzte sagten, es hätte ein Herzinfarkt gewesen sein
können, aber sie waren
nicht sicher.
Claudia
war in der kleinen Stadt Emsdetten auf dem Land
aufgewachsen, mit ihrem Vater, der Mutter, ihrem Zwillingsbruder und
den beiden
anderen Brüdern in einer Hälfte eines Bauernhauses.
Ihr Vater war Metzger und
Baggerführer und arbeitete sein Leben lang in mehreren Jobs
gleichzeitig.
Abends trank er immer in einer dieser Dorfkneipen, die von denselben
vier oder
fünf Stammkunden leben. Sonntagmorgens schickte er die Kinder
billigen Schnaps
kaufen, es sei denn, seine Frau hatte schon welchen gekauft.
Claudias
Mutter war sehr hübsch, das sagten alle. "Meine
Mutter war eine total traurige Frau", sagte sie. "Sie hatte ihre
eigene Angst vor ihm nicht vor uns versteckt. Sie hat ihn immer
schlecht
gemacht und hat immer gesagt, 'Ja, jetzt kommt er gleich nach Hause und
jetzt
müssen wir gucken, dass wir irgendwie ruhig sind, sonst dreht
er wieder durch
und...' Wir sind eigentlich immer mit Angst aufgewachsen. Der ist auch
nachts
nach Hause gekommen, sturzbesoffen, und hat irgendwelche Kumpels aus
der Kneipe
mitgebracht und hat sie aus dem Bett geholt und gesagt, 'Du musst jetzt
was
kochen,' und sie musste ihnen halt immer Bratkartoffeln machen. Die
Typen haben
sie auch angegrabscht und sie hatte auch Angst vor diesen
Männern."
Ihre
Depressionen wurden stärker und die Selbstmordversuche
häufiger. Sie war für mehrere Monate lang im
Krankenhaus und in der
psychiatrischen Anstalt. Einmal schloss sie sich im Bad ein. Claudias
Vater
merkte es, aber anstatt etwas zu unternehmen, um rein zu kommen, rief
er
Claudia auf Arbeit an. Claudia eilte nach Hause, spähte durchs
Schlüsselloch
und sah den Kopf ihrer Mutter über dem Rand der Badewanne. Als
sie ins Bad
kamen, lag ihre Mutter bis zum Kinn im Wasser, nackt bis auf ein
geripptes,
weißes T-Shirt, das an der Wasseroberfläche trieb.
Sie brachten sie gerade
rechtzeitig ins Krankenhaus. Claudia sagte, das Abstoßendste
war, das T-Shirt
über dem nackten Körper der Mutter treiben zu sehen.
"Ich
glaube, sie hat sehr darunter gelitten, dass ich weg
gegangen bin. Weil, ich war die Tochter. Ich war die einzige, mit der
sie auch
geredet hat. Ich habe mich auch immer für sie verantwortlich
gefühlt. Es war
auch letztendlich der Grund, warum ich weggegangen bin, weil es mir
zuviel
wurde."
Meine
Lieblingsgeschichte von ihrem Vater war die, wo er sie
mit einem Fleischmesser durchs Haus jagte. "... und mit einer Schere.
Mit
dem Messer, das war, ja ... das war, als ich mit meiner Freundin zu
Hause war.
Eigentlich waren wir selten bei mir zu Hause, ich weiß gar
nicht, warum wir bei
uns waren. Meine Mutter war schon früh ins Bett gegangen.
Irgendwann ging die
Tür auf. Das hörte man auch, wenn der nach Hause kam.
Der konnte nicht normal
die Tür aufmachen, der ist wirklich reingestürzt, in
die Wohnung gefallen, also
reingestürzt. Er hat uns gesehen und hat sofort angefangen,
rumzuschreien: 'Was
macht ihr hier, und du, was bist du überhaupt für
jemand?' Und zu mir hat er
irgendwie 'Schlampe' gesagt. Da war ich vielleicht 14 oder so, 13, 14,
15,
keine Ahnung. Dann hat er einfach die Küchenschublade
aufgezogen und hat
irgendwie ein Riesenfleischmesser da rausgeholt und hat mir gedroht:
Ich stech
dich ab, und ich zu meiner Freundin: 'Du geh jetzt'. Und sie war raus
und hatte
Schiss und stand wohl irgendwie ein, zwei Stunden vor der Tür,
weil sie dachte,
es wird noch was. Das war einfach das Schrecklichste, weil es jemand
mitgekriegt hat. Ich hab dann irgendwann gesagt, 'Du bist ein altes
Schwein und
ich hasse dich', und dann ist er ruhig geworden: 'Was habe ich gemacht,
was ist
denn? Ich will doch gar nichts'. Dann wurde er irgendwie so kindisch.
Kam immer
hinter mir her und meinte, 'Es ist doch gar nichts, es ist alles in
Ordnung,
was hast du jetzt?' Völlig blöd."
Tiefe
Verachtung trat in ihre Stimme, als sie ihren Vater für
völlig blöd erklärte, dafür dass er
nach einem Mordversuch diese Jammertour
abzog.
Ein
Bekannter ihres Bruders erzählte ihr von Berlin,
"...dass es eine tolle Stadt ist, mit ganz tollen Leuten, und da
wäre
alles so frei, und es gibt ganz viele nette Kneipen, wo man Leute
kennenlernt
und drumherum gibt es Möglichkeiten, rauszufahren, und der
Wannsee und
Riesenparks und solche Sachen hat er mir erzählt. Er meinte,
vielleicht wäre
das eine Stadt für mich." Damals arbeitete sie in einem
Imbiss, der an
einer Landstraße lag und dort lernte sie einen LKW-Fahrer
kennen, der
regelmäßig nach Berlin fuhr, und so ließ
sie sich von ihm mitnehmen.
Das
war ihr erster Sturm auf Berlin gewesen, in den 80ern. Sie
war paarundzwanzig und es ging ziemlich schnell bergab. Sie wohnte bei
ein paar
Leuten zur Untermiete, freundete sich mit ihnen an, und sie hing viel
mit ihnen
rum. Spät nachts gingen sie in eine schäbige Disco
namens Bronx in Kreuzberg.
"Das Bronx war ein Sumpf," sagte sie. ”Viele kaputte Leute
da, und
ziemlich dunkel, und ziemlich dreckig."
Manche
ihrer Freunde kamen aus dem Abrutschen nicht rechtzeitig
raus. Sie erzählt Walters Geschichte. "Walter ist so ein
Superintellektueller, er hat unheimlich viele Fähigkeiten. Er
ist erst mal
musikalisch sehr begabt, dann hat er viele Fotos gemacht, er hat
Jobangebote
als Sportfotograf gekriegt und so. Ich glaube dadurch, dass er so viele
Fähigkeiten hatte und soviel wusste, konnte er sich
für gar nichts entscheiden.
Deswegen hat er nichts gemacht, er hat immer in den Tag gelebt.
Über die Jahre
wurde er immer eigenartiger."
Er
hatte überhaupt kein Geld, und als eine Freundin was suchte,
wo sie ihre Möbel unterstellen konnte, zahlte sie ihm was,
damit er alles in
seine Wohnung stellte. Eine andere Freundin bezahlte ihn
dafür, dass er ihre
zwei Katzen nahm. "Da war dann überhaupt kein Platz mehr zum
Wohnen.
Walter hat unter den Tischen gewohnt und hatte noch eine Nische unterm
Schrank.
Die Katzen waren neurotisch und fühlten sich gar nicht wohl
bei Walter und
haben erst mal alles vollgepinkelt."
Letztendlich
trat er einer Sekte bei und unterhielt seine
Freunde mit spannenden Geschichten darüber, wie gut es bei ihm
mit der
Meditation voranging. "Jetzt", sagte Claudia, "lebt er wie so
ein Penner. Er hat so einen Buckel gekriegt, und ganz schwarze
Zähne, weil er
sich nicht mehr die Zähne geputzt hat, sondern nur mit
schwarzem Tee. Er
meinte, Zähneputzen wäre schädlich, und
wenn, dann dürfte man sie nur mit
schwarzem Tee putzen, und er hat sie mit schwarzem Tee geputzt, und
schwarzer
Tee färbt. Und geduscht hat er sich mit Pfefferminztee."
Der
Haushalt, wo sie wohnte, wurde aufgelöst und sie musste
ausziehen und die einzige Wohnung, die sie finden konnte, war bei einer
Drogendealerin. Die Fenster waren undicht und sie hatte eine Eisschicht
auf
ihrem Fensterbrett, die sie jeden Abend mit einem Fön abtauen
musste, und jede
Nacht hämmerten Junkies an die Tür. Sie
flüchtete zurück nach Emsdetten. Ihre
Eltern waren damals schon beide tot, aber im Geist waren sie noch zu
spüren,
und ihr drogenabhängiger Zwillingsbruder fing an, das Leben
unerträglich zu
machen. Nachdem sie all ihre Kraft zusammengenommen hatte, machte sie
einen
zweiten Versuch mit Berlin, in den Neunzigern, und diesmal klappte es
besser,
weil sie zu Bernd zog.
Ich
war immer der Meinung, dass Bernd den kürzeren gezogen hat.
Ich habe ihn nur einmal getroffen, viel später. Er sieht wie
ein
Klichee-Deutscher aus, mit kurzen, dünnen Haaren und runder,
stahlgerahmter
Brille. Er scheint steif und förmlich und lächelt
nie, aber er ist intelligent,
sein Körper ist drahtig und gewandt und er ist ein Kung Fu
Meister. Claudia
sagte, er wäre mit seinen Gefühlen nicht im Einklang,
aber ich glaube, dass die
einzige, die nicht mit seinen Gefühlen im Einklang war,
Claudia war.
Anfänglich
waren sie in eine Art Beziehung geraten, als Claudia
ihren ersten Angriff auf die Stadt gestartet hatte. Ich denke,
daß es Claudias
unergründliches Gesicht war, in das sich Bernd verliebte.
Damals kam er jeden
Donnerstag zu Claudias Freunden nach Hause, und dann spielten sie alle
zusammen
ein Spiel namens Meyer. Man würfelte mit einem Becher, und
sagte dem, der neben
einem saß, welche Zahl gefallen war. Der musste dann raten,
ob man log oder
nicht, dann den Becher heben, um zu sehen, ob er richtig geraten hatte.
Wenn
Bernd neben Claudia saß, las er ihr Pokergesicht immer
falsch.
"Es
hat total Spaß gemacht, Bernd immer anzulügen, weil,
er ist immer darauf reingefallen. Ich hatte alles unter Kontrolle, und
der war
mir ergeben. Dann hat er sich um mich bemüht. Es hat ihm
anscheinend gefallen,
dass er immer verloren hat. Er hat immer da angerufen, und dann hat
meine
Mitbewohnerin gesagt, 'Er ruft bestimmt wegen dir an, weil er hat mich
nie
angerufen, wir sehen uns immer nur an diesem Donnerstag oder eben auf
einer
Party.' Er hat eigentlich nur immer mit meiner Mitbewohnerin
gesprochen."
Sie
ließ zu, dass er sie liebte, aber die meiste Zeit spielte
sie mit ihm, voller Misstrauen. Als sie zum zweiten Mal nach Berlin
zurückkam,
in den 90ern, ließ Bernd sie zu sich ziehen und für
eine Weile die Hausfrau
spielen, bis sie einen Job bekam.
"Ich
hab den immer provoziert. Weil er hat mir immer alles
erlaubt, und nie irgendwie Stopp gesagt oder war eifersüchtig
oder so. Und dann
habe ich ihn immer auf Parties absichtlich eifersüchtig
gemacht, mit anderen
Männern heiß geflirtet. Ich habe den auch total oft
betrogen. Er hat nie was
dazu gesagt. Irgendwie wollte ich mal, dass er irgendwie
kämpft und sauer ist.
Mich hat seine ständige Gleichmütigkeit rasend
gemacht. Das war auch der Punkt,
wo ich ihm nicht getraut habe. Ich dachte, er kann mich gar nicht
lieben, er
will eigentlich gar nichts von mir, er will vielleicht, dass ich ihm
seine
einsamen Abende netter gestalte, oder was weiß ich."
Als
sie miteinander Schluss machten, war ihr Berlin endlich
etwas angenehmer geworden. Sie hatte sich mit Paula, die
fröhliche Sexbombe,
angefreundet, und sie hatten einen gemeinsamen Freundes- und
Bekanntenkreis,
und sie aßen immer zusammen und diesmal behielt sie den Boden
unter den Füßen.
Am
Schlachtensee diskutierte ich mit Claudia über Mutantentum.
"Egal in welcher Gruppe man gerade ist, man hat das Gefühl,
nicht
dazuzugehören."
Mit
Claudia war es leicht, über Mutantentum zu reden, weil ich
nicht so tun konnte, als wäre ich nicht selbst einer. Sie
fragte mich, ob ich
es könnte, wenn ich wollte – mich der Masse der
Nicht-Mutanten anpassen. Ich
sagte, dass ich Angst hatte, nicht zu wissen, was ich tun sollte.
Manchmal,
wenn ich versuche, mich mit Leuten anzufreunden, die normal wirken,
komme ich
mir vor wie ein Betrüger. Ich stimme ihnen zu oft zu, ich bin
immer nett, ich
finde immer alles toll. Erst später, wenn ich Verabredungen
vergesse oder keine
Zeit habe zurückzurufen, weil wir eigentlich nichts gemein
haben, was mich
veranlassen würde zurückzurufen, erst dann finden die
Leute raus, dass ich
nichts von dem gemeint hab, was ich gesagt habe, und dass ich in
Wahrheit
einfach ein Arschloch bin.
Claudia
behauptete, sie könnte sich anpassen, wenn sie wollte.
Sie wusste, wie das ging. "Deshalb war ich mit Paula befreundet,"
sagte sie, "Ich hab sie genau beobachtet. Ich weiß, was ich
tun muss. Ich
weiß, dass ich es kann. Aber ich weiß, dass es
schwer ist."
Als
Claudia in Berlin nicht die Welt fand, die ihren
Bedürfnissen entsprach, suchte sie nicht woanders weiter. Wenn
es sie hier
nicht gäbe, gäbe es sie nirgends, und so lernte sie,
unter den Nicht-Mutanten
zu leben. Sie fand keinen Job, der ihr passte, aber sie hat einen, und
sie
behält ihn. Sie hat auch noch nicht den idealen Mann, aber das
liegt vielleicht
nur daran, dass die meisten Mutanten-Männer in den falschen
Kneipen rumhängen.
Das wäre typisch für Mutanten-Männer. Als
Paula Berlin verließ, um in die
Schweiz zu gehen, wo sie heiraten wollte, war es wie Verrat, Claudia
allein zu
lassen, und ich dachte: Diese Schlampe, sie würde alles tun,
um zu heiraten.
Ich befürchtete, dass Claudia zusammenbrechen würde,
aber das tat sie nicht,
und auch die Freundschaft der beiden Frauen zerbrach nicht. Manchmal,
wenn sie
traurig ist, zieht sie sich in ihre Wohnung zurück und geht
nicht ans Telefon.
Aber das bedeutet nicht, dass sie sich geschlagen gibt, sie sammelt nur
ihre
Kräfte.
Claudia
hatte einen wichtigen Vorteil, den Susi-Sara nicht
hatte: ihr größter Kindheitstraum erfüllte
sich, als ihre Eltern starben.
"Ich war erleichtert und befreit. Es war das Beste, was passieren
konnte.
Nachdem sie tot waren, wurde alles besser. Vorher war ich nicht
fähig,
glücklich zu werden. Für mich wäre es
unerträglich, wenn sie heute noch leben
würden."
Sie
erzählt, wie sie und ihr Zwillingsbruder als sie sechs oder
sieben waren, gemeinsam planten, ihren Vater umzubringen. Sie hatten
irgendwo
den Ausdruck "zu Tode erschrocken" gehört und beschlossen,
dass dies
die beste Art wäre, ihn umzubringen. Als eine Kirmes in die
Stadt kam, gaben
die älteren Brüder und die Tante ihnen ein bisschen
Geld, damit sie hingehen
konnten, und das reichte gerade aus, um ein kleines Gummimonster zu
kaufen, ein
"glitschiges, grünes Dämonenmonster mit
großen Klauen, langen Zähnen und
einer langen, feuerroten Zunge und einem langen Schwanz mit Stacheln",
ein
schrecklich hässliches, gruseliges Ding. In dieser Nacht
legten sie es heimlich
unter seine Bettdecke, damit er es sehen und einen Herzinfarkt bekommen
würde,
wenn er ins Bett ging. Sie warteten in ihrem Zimmer nebenan, bei
halboffener
Tür lauschend, sie zwangen sich, wach zu bleiben, bis er
endlich nach Hause
getorkelt kam. Sie hörten, wie er ins Schlafzimmer ging, seine
Sachen auszog
und ins Bett stolperte – aber es ertönte kein
Schrei. Überhaupt kein Geräusch,
bis er anfing zu schnarchen. Er hatte es nicht einmal bemerkt.
Als
ich sie fragte, wer sie wäre in einer perfekten Welt, sagte
sie: "Ich wäre am liebsten ein sieben-, achtjähriges
Mädchen in einer
großen Familie. So Mädchen werden immer geliebt, sie
müssen gar nichts dafür
tun."
In
diesem Alter kletterte Claudia öfters durch ein Loch in
einem Zaun nicht weit von Zuhause. Sie ging einen langen,
verschlungenen Weg
entlang, der durch schulterhohes Gras an Feldern vorbeiführte,
bis sie weit weg
von ihrem Haus war. Am Ende dieses Trampelpfades war eine Obstplantage
in allen
Farben – Kirschbäume, Apfelbäume,
Pflaumenbäume – die einen süßen
Duft
verbreiteten, wenn sie blühten. Sie bezeichnet sie als "das
Paradies"
und "eine Traumwelt" und "abenteuerlich". Einmal fand sie
dort ein Nest mit jungen Kätzchen, als die Katzenmutter gerade
auf der Jagd
war. Das Feld war voller Sumpflöcher, und ein anderes Mal, als
sie mit vier
oder fünf anderen Kindern dort war, fiel ihr Zwillingsbruder
in eines dieser
Löcher und kam nicht wieder heraus, und sie
fürchtete, dass er sterben würde,
aber dann schafften sie es doch, ihn rauszuholen. Aber das lebhafteste
Bild,
das ich von Claudia als kleinem Mädchen im Kopf habe, ist
irgendwo auf dem
Pfad, bevor man zum Paradies kommt, wo man an einem Feld, auf dem
Kühe
weideten, vorbeikam. Sie hatte dort eine Lieblingskuh, und wenn Claudia
traurig
und einsam war, ging sie dorthin, und ihre Lieblingskuh kam zum Zaun,
und
Claudia streichelte sie und erzählte ihr Geschichten.
Aus
dem Englischen übersetzt von Kerstin Mächler
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I fell in
love with Claudia the night she told me she had murdered
her father, and then her mother. We were in my bed. I didn't know if
she was
telling the truth, but I knew she could have done it, and I knew she
could kill
me too if she wanted to, and I grabbed her and turned her over and had
another
go at that granite body of hers. I didn't understand then that she was
a
mutant, but it was the first hint I had that women were different in Berlin.
When I
moved here, the first thing I did was search out the best
pick-up bar within walking distance, which turned out to be the famous
Zoulou
Bar. You walked into it and you could smell sex through the smoke. It
was in
the way girls shifted in the shadows, the way eyes turned on you when
you
opened the door. You had to squeeze past girls sitting at the bar and
as you
brushed their backs you knew they were trying to size you up without
turning
around. I had never seen anything like this back home in America, or even
elsewhere in Germany, though I
had been living here
for some time. I was determined to get laid every night, and I might
have
succeeded, had I not run afoul of the mutant women of Berlin.
Here are my
Five Laws of Mutant Women of Berlin: 1) They always come
to Berlin to get
away from usual circumstances elsewhere. 2)
They are incapable of just getting married and having kids and settling
down,
or of having careers and becoming professionals and feeling guilty
about not
getting married and settling down, or whatever it takes to be like all
the
other girls. 3) They do not know why they are incapable of doing this.
4) They
are sexy. 5) They are the only women who seem to want to talk to me.
Mutant
women, unbeknownst to themselves, are blessed and cursed with
an invisible gene that makes it possible for them to do amazing, unique
things
in certain unusual circumstances that unfortunately do not exist.
According to Darwin, this
mutant gene is given to
certain members of the human race so that they can adapt to unforeseen
changes
in the environment, should these changes ever occur. A mutant fish
might have
feet, for example, which would make him sexually attractive should all
the
water in the world suddenly disappear. But until that happens, the girl
fish
just snicker at him.
I was
introduced once to a nervous, beautiful nineteen-year-old
former prostitute turned artist, dressed in loose batik dresses and
wearing a
batik shawl wrapped around her bald head. She was from a small town
somewhere
and her asshole boyfriend had begun selling her to his pals in school
and she
had stupidly gone along with it. Now, just a few years out of school,
she had a
tumor in her head and had just stopped undergoing chemotherapy and
expected to
die within a couple of months. I took her out for a couple of drinks
that did
nothing to calm her nervousness. I was dying to take her clothes off,
but on
the subway platform afterwards I decided not to try to get her home.
She didn't
say goodbye as I put her on the train, but I felt she was cursing me
inwardly
for rejecting her, as she was cursing the misery of her life. After
that,
whenever a book or a jar or an apple fell down from a top shelf for no
apparent
reason, the panicky thought slammed through my head that her ghost was
taking
potshots at me.
As the only
woman over fifty in the Zoulou Bar, Inge was a fish out
of water, but she always showed up after one or two in the morning. She
presided over the hanky-panky from a corner with a beer on the table
before
her, lustfully eyeing the young men thirty years her junior. If you
gave her a
chance she would regale you with tales of the rotten, useless
scoundrels in her
life who called themselves men, and tell you to cut your hair. I
haven't seen
her since the Zoulou Bar changed management and I am afraid she is dead
by now.
I often wonder how many other women I know will live their last years
like she
did.
Sex with
Anna was a crap shoot. Sometimes she would call and beg to
come over and devour me in five minutes and leave me sagging. At other
times
she would break into tears at the suggestion of sex and accuse me of
being an
animal. Eventually she fled to a voluntary psychiatric retreat and came
back
engaged. On the day she married another man, among the pastel crosses
and
glowing abstracts in her studio, I spotted two paintings of unearthly,
glowing
green men standing in doorways like cosmic visitors come to take her to
a
better home. When I told her later that I loved those paintings more
than
anything else she had ever painted, she didn’t know what I
was talking about.
I got to
know two mutant women a little closer. Their stories were
similar, but after about ten years in Berlin, Suzi-Sara
still believes there
is a world out there somewhere that she fits into, while Claudia
understands
she will be living among aliens for the rest of her life.
Suzi-Sara
was the baby princess of a thirteen-kid Catholic family,
growing up the youngest on a huge farm. Now, with her thirties coming
on, she
lives in Berlin and seems
to spend most of her time trying to
understand just when and how her princesshood turned sour.
She told me
about the time she tried to kill herself by swallowing
twenty placebos. As a teenager, she had been given pills for her
circulation or
something like that and she swallowed the whole bottle without actually
finding
out what was in them first. Looking back, she now thinks they might
have been
placebos. The next morning she woke up late, but no one noticed that
she had
tried to kill herself. As she wandered through the house confused, they
complained that she had tried to get out of her chores by oversleeping.
"Stupid, isn't it?"
We
talked on a blanket in the
grass in Kleistpark, a Berlin
park that is
basically a round patch of grass surrounded by the court buildings
where the
infamous Nazi show trials took place. It was during the first few weeks
of
summer 2000, when the sun was always blazing and the sky was always
bright
blue. Suzi-Sara usually looked very sleek and sophisticated, but today
she wore
a red and green farmer-style kerchief over her short jet-black hair, as
was the
trend that summer. Her blue eyes sparkled and her smile was warm and
light and
her breasts were generous and inviting and she was everything you could
possibly want from a country girl. It felt like a picnic where I was
one of
maybe twelve farmer boys hoping she would choose me to go up to the
hayloft
with her, and reading all her signals wrong.
Her suicide
attempt came not long after the episode with the bloody
pants. "I went camping with my girlfriend, and the neighborhood boys -
maybe ten boys or so - were sleeping in a silo not far away. In the
evening we
went over there and got drunk with them. Naturally they all wanted to
fool
around and I couldn't handle the situation, I was much too young. One
of them especially
wanted to sleep with me at any price and the situation was too much for
me. I
felt like shit. Even worse, I got my period during the night and didn't
notice
it and in the morning my pants were completely bloody and I was lying
there
still drunk and they all made fun of me. I was maybe thirteen or
fourteen years
old. Then the neighbors came out and stood over us and yelled at us and
called
me an old whore. Then my father came running out. They had told him
about it.
Everyone else was gone by then and I was there with my bloody pants and
naturally he hit me and I had to go home."
I asked her
how her father interpreted the bloody pants - did he
think she had slept with one of the boys? With more than one? That she
had lost
her virginity that night? But Suzi-Sara didn't know what her family
thought -
she never found out. "They don't talk about it. They don't ask, 'What
happened?' Or, 'What are you thinking?' They just said, 'You're an old
slut and
you can't go out all summer long and you have to get to work.'"
Her most
bitter complaint about her parents was about their
"Messages from the gut: You have to go to church, you need a proper
occupation, you have to get married and ideally not have any sex
because it's
indecent. Even having big breasts is a catastrophe. My mother was
always
staring at my breasts, as if they were sin itself."
As she
talked about it, her voice took on a helpless tone and she
was close to tears. In her mind, she saw her father standing over her,
and she
was his fourteen-year-old girl again in bloody pants, frozen in his
accusing
stare forever. She laughed and sniffled, and said, "Just one little
story
among thousands."
Before
leaving the farm for
good, she did a short stint in a village not too big and not too far
away, a kind
of dry run to independence. There, she was accused of prostitution. She
was
going to a school there that specialized in pedagogical training.
Though it was
already the eighties elsewhere, in boarding house where she lived it
was
against the rules for men to sleep over. One night she took her
boyfriend home
and he was too drunk to drive back, so he slept there and the next
morning the
landlady stormed in without knocking and threw them out of bed. Then
she wrote
a twelve-page letter to Suzi-Sara's parents accusing her of
prostitution and
describing in detail the sexual practices she performed for her
customers. She
demanded 10,000 marks damages for ruining the reputation of her
boarding house.
Suzi-Sara knew that letter was coming and called home and asked her
brothers
and mother not to open it before she arrived and could explain, but of
course
they did. When the landlady called them that same day, still before
Suzi-Sara
had arrived home, they apologized for their sister/daughter and
explained that
she had been always a problem child. Finally her father, who had been
away,
returned and read the ridiculous letter and he took the landlady to
court,
where it was discovered that she was in grave debt and had been in and
out of
nut houses for some time. But it was too late: She already knew her
family was
the last people on Earth she could depend on for support.
Finally
Suzi-Sara figured out
that she had to go to Berlin. She visited the city a few times first,
visiting
friends, and got hooked on the excitement. "I said, 'I'm moving to
Berlin,'" she said, "And the others said, 'Yes, we've been waiting
for that to happen.' The others weren't surprised, I was the one who
was
surprised."
When
she got here, she was a
walking farmer's daughter joke. "I met a thousand people. If someone
looked at me, I said hello. And the first time I took the subway, I met
everyone in it. I can't imagine it myself anymore. When you live in the
country
and someone dresses extravagantly or wears his hair in a Rasta look or
something like that, then those were people who stood for something
different
from what normally went on. All those people were here in Berlin too
and I
didn't see that it was just fashion here. That it wasn't really a
philosophy of
life. And so I was walking around with my mouth open."
Then
it turned sour. She
didn't get the apartment she was promised and the man she was promised
had a
handful of other women besides her. "Then it wasn't vacation
anymore," she said.
"I
couldn't judge
people. When I went to buy tobacco, I came back with my pockets full of
stuff I
didn't need. I had five Jesus freaks, three bums and what do I know who
else on
my heels and I had to talk with them for five hours because I couldn't
say no.
In the country you're always nice, everyone knows you. If the
burgermeister
asks you to dance, you don't say no, even though he's an asshole. And
then
you're standing there and someone grabs your breasts or says, 'Hey,
bitch, fuck
off," and you can't figure out what it means, you think you're the
worst
thing in the whole world."
Fear
took hold of her and she
felt herself slipping into insanity. "I often sat alone at home and
those
windows (of the apartment building across the street), they drove me
insane,
because I knew what was behind those windows: Murderers, whatever, I
was always
thinking negative. Life became more and more a dream. Then it got so
bad that I
couldn't walk. Sometimes I sat in the subway, dripping sweat, and I
couldn't
move for fear. Total panic. When I tried to walk, my legs buckled under
me and
everything spun around and sometimes I was hanging onto some railing
somewhere
and I couldn't move anymore and I just cried. Twice the paramedics had
to come
pick me up."
After
a couple of stints in
mental wards, she ran into friends who took her in for a while and
helped her
get back on her feet. Now she survives from social services and menial
labor,
but she refuses to give up hope that someday the right job, spiritual
recipe or
man will sweep her off her feet and make her happy.
She
has gone through training
programs as a cabinet-maker, kindergarten teacher, gilder and restorer;
she has
worked in social projects and in a children's circus, she clerked in a
health
food shop and babysat and cleaned up after hours in a bike shop. The
New Age schemes
she has tried include light therapy and behavioral therapy and laying
on of
hands and family recreation and palm reading and aromatherapy. She has
been to
India to visit a guru and took drawing lessons and played drums in an
amateur
Samba band. At times she was so serious about changing that she
switched her
name from Suzi to Sara and then back to Suzanne. Her persistence in not
surrendering to reality is awe-inspring.
She looked
for love, but never found it. Not even a relationship
that lasted for more than a few months. But still, every time I meet
her she
tells me she's fallen in love again and sighs and giggles and I know
that in
her mind she is seventeen again and falling in love for the first time.
I met her
in the Zoulou Bar and failed to get her into bed because
she was hung up on yet another guy who didn't care about her. She was
in her
black African macho phase then, and now she is in her Turkish macho
phase. She
turned me into the nice neighbor who would listen to her sob stories
whenever
she fell in love with or was cast aside by the newest pretty boy Tantra
trainer
or slick self-acclaimed actor/director. If I had any self-respect, I
would have
gotten out of her clutches as soon as I figured out that was going to
be my
job, but I couldn't resist those big eyes and her little-girl voice. I
compensated by yelling at her once in a while to get her to at least
ask these
assholes if they have girlfriends before falling in love with them, but
she
knew I was jealous of them for having her so easily.
A mutual
girlfriend said she
thought Suzi-Sara saw magical things that others couldn't see and
couldn't
appreciate, like a diver who can find treasure underwater, but cannot
bring it
back to the surface. If you had a flower on the windowsill that was
drooping,
or a rock that looked unhappy, you could call her and she would come
and talk
soothingly to it and it would perk up again, but who worried about the
happiness of flowers and rocks nowadays? I imagined her as one of those
holy
whores/priestesses in some ancient temple where primitive worshippers
would
fuck her and all their sins would flow into her and be sucked up by the
gods
and the crops would be good the next year. Once I asked her what she
would most
like to be, if she could be anything, if the world were customized to
fit her
needs, and she said dreamily, "Oh, if I had to choose some specific
thing
to be, that would be much too boring. I want to be everything."
I first laid eyes on Claudia in the Zoulou Bar. She was tall and
muscular and sitting arrow-straight on her barstool despite being
drunk. Her
best friend Paula was with her. Though Paula graced the bar with a
constant,
glorious smile, Claudia enveloped herself in a deep caution. But when
she liked
you, that melted away and she turned willowy and soft and her eyelids
drooped
and it was like watching the cold, marble Venus turn into a little girl
again,
soft and frivolous and teasing.
I tried all
that night to drag her into bed. I told her I was a
Swede researching Viking remains in Berlin, I was an Australian country
and
western singer touring Germany, I was a Mormon from Hawaii studying the
Middle
Ages, which was true, though of course she didn't believe that either.
Nothing
worked, but she let me feel her buffed-up stomach and arm muscles and
offered
to prove that she was a Kung Fu expert by fighting me right there.
Later, she
let me kiss her just a little bit.
We became
lovers and she tortured me by letting me stand in the rain
frantically ringing her doorbell whenever she broke up with me and I
tortured
her back by correcting the spelling in her goodbye letters and
returning them.
There was
something unmoving and oaken about her tough body, and
when we were together, her ass would drive me crazy and the thought of
it still
does. I wanted to bite into it and just chew away. Her aloofness
consumed me. I
wanted to put her in chains and teach her a lesson. In Paula's
apartment we
were horse-playing and I found myself ripping off my belt and tying her
to a
rack of exercise bars bolted to the wall until Paula came back from the
kitchen
and told me to knock it off. When we fucked, she clenched her eyes shut
in
concentration and seemed to recede to a dark place inside her, where a
small
but violent furry creature was waiting to wrestle. I still miss that.
If it
could come again, if she would let it, if she would make a move, I
would lean
forward just a little too far over the precipice that is Claudia and
tumble
right in again.
When I
eventually ran afoul of the next mutant woman and betrayed
her, she said it was too bad - she was just beginning to believe I
really felt
something for her.
Years later
I called Claudia and said I wanted to talk to her about
her parents. We met on a sunny day beside the overcrowded lake
Schlachtensee
outside Berlin. Claudia was doing better than she had in a while: She
had a new
job and new clothes and she was looking good. The lake was buzzing with
groups
of seventeen-year-olds, lanky boys with cool haircuts and
tight-breasted girls
with sunglasses and attitudes and a lot of dogs and fat topless women.
Claudia sat
leaning on one hip, her legs folded under her like
scissors, her synthetic, silver gray sheath dress dappled with
sunlight. I love
looking at her from a low angle, because she looks like her neck is
reaching
into the sky and I could fantasize about her being the Queen of the
World, and
insect-like aliens come in thousands of spaceships to invade Earth, and
the
first thing they do is tell us to send up our Queen Human to negotiate.
Then
all the presidents and kings of the Earth look at each other with panic
on
their faces and say, "Queen Human? Why didn't someone think of this
earlier?" Then they come to me for advice and I just point to Claudia.
I asked her
if she had killed her mother and father and she laughed
and said she had only been playing with my head, which is what she
likes most
to do with men's heads.
Her father
died in the eighties, before she moved to the Berlin for
the first time. He was on a bike, riding home from a bar, when a car
hit him.
Her mother died a year later.
Claudia had
just moved to Berlin and happened to be back home for a
brief visit that day. Her mother and she had stayed up late talking,
and the
next morning Claudia woke up late. She got some breakfast and looked
around the
house and couldn't find her mother. Finally she went into her bedroom
and saw
her lying stretched out over the double bed. Her face was full of
popped blue
veins. The doctors said it could have been a heart attack, but they
weren't
sure.
Claudia
grew up in the small town of Emsdetten, which was
backcountry, with her father, mother, twin brother and two other
brothers in
one half of a farmer's house. Her father was a butcher and a dredger
operator
and worked several jobs at once for most of his life. In the evenings
he would
drink at a local bar, the kind of country village bar that live off the
same
four or five regulars. On Sunday mornings he would send the kids to buy
cheap
schnapps if his wife hadn't bought some already and he would drink at
home,
starting early, which is a tradition in Germany called
"Fruehschoppen," or "early ladling," when you can afford to
write off the whole day because you have no responsibilities except to
relax.
Claudia's
mother was very pretty, that's what everyone said.
"My mother was a totally sad woman," she said. "She never hid
her own fear of him. She always made him look bad and always said,
'Hey, he's
coming home soon and we have to make sure that we're quiet now or he'll
go
berserk again.' We grew up with fear. Sometimes he would come home late
at
night, stumbling drunk, and he'd bring some drinking buddies from the
bar and
get her out of bed and say, 'You have to cook us something now,' and
she always
had to make fried potatoes for them. These guys grabbed at her, and she
was
afraid of those men too."
Her
depressions got stronger and the suicide attempts became more
frequent. She was in the hospital and in a mental ward for months at
times.
Once, she locked herself in the bathroom. Claudia's father found her
but
instead of doing something to get through the door, he called Claudia
at work.
She hurried home, looked through the keyhole and saw her mother's head
peeking
just above the rim of the bathtub. When they got in the bathroom, her
mother
was lying up to her chin in the water, naked but for a white ribbed
t-shirt
that floated near the surface. They got her to the hospital in time.
The most
repulsive part, Claudia said, was the sight of the t-shirt floating
above her
mother's naked body.
"I think it
tormented her when I moved away," said
Claudia. "Because I was the daughter. I was the only one she could talk
to. I always felt responsible for her. In the end, that was the reason
why I
went away, because it was too much for me."
My favorite
stories about her father are when he would chase her
around the house with a meat knife. "...and with scissors," Claudia
said. "The thing with the knife... that was when I was at home with my
girlfriend. Actually we seldom went to my home, I don't know what we
were doing
there. My mother had already gone to bed, so early. Somehow the door
opened.
You heard it when he was coming home. He couldn't just open the door
like
normal, he really stumbled in he fell into the room, lurching.
"When he
saw us, he immediately started screaming: 'What are
you doing here?' And: 'You - who are you anyway?' He called me a slut
or
whatever. I was maybe fourteen or so, no idea. Then he just opened the
kitchen
drawer and pulled out a huge meat knife or whatever and threatened me:
'I'm
going to slash you.' Then I said to my girlfriend, 'Go now.' And she
was afraid
to leave me alone and stood something like two hours outside the front
door
because she thought something was going to happen. That was just about
the
worst part of it, because someone else was seeing it happen. Then I
said
something like, 'You're an old swine and I hate you,' and then he
calmed down:
'What did I do wrong? I didn't mean it.' Then somehow he became
childish. He
ran after me and said, 'It was nothing, everything is okay, what's
wrong?' Completely
stupid."
A deep
scorn entered her voice when she called her father completely
stupid for following up a murder attempt with a whining fit.
An
acquaintance of her brother told her about Berlin. "He told
me just that it was a really great city," she said, "with really
great people, and that everything is so free there, and there are
really great
bars where you can meet people and on the outskirts there are all kinds
of
opportunities to get out, the lake Wannsee and huge parks and things
like that,
he told me. He said maybe that was a city for me." She was working in a
diner at the side of a cross-country road and there she met a truck
driver who
frequently drove to Berlin, and hitched a ride with him.
That was
her first assault on Berlin, in the eighties. She was
twenty-something and it went downhill pretty quick. She roomed with
some people
who became friends and she hung out with them a lot. Late at night they
would
go to a ratty disco called the Bronx in Kreuzberg. "The Bronx was a
swamp," she said. "A lot of broken-down characters," she said,
"and pretty dark, and pretty dirty."
Some of her
friends didn't get out of the downhill slide in time.
She tells the story of Walter. "He is some kind of super
intellectual," she said. "He can do all kinds of things. First of all
he's gifted musically, then he took a lot of photos, he got job offers
as a
sports photographer. I think it was because he had so many abilities
and knew
so much that he couldn't choose one thing. So he didn't do anything, he
ended
up living day for day. Over the years he became weirder and weirder."
He didn't
have any money, so when a friend needed a place to store
her furniture, she paid him to keep it all in his apartment. Then
another
friend paid him to take on her two cats. "There was no more room to
live
at all," said Claudia. "Walter lived under the tables and then maybe
there was another corner beneath the wardrobe. The cats were neurotic
and
didn't feel comfortable with Walter. They pissed everywhere."
He ended up
joining a sect and entertained his friends with exciting
stories about how well his meditation was coming along. Now, said
Claudia,
"He lives like a bum. He's gotten some kind of hunchback and he has
totally black teeth because he doesn't brush his teeth anymore except
with
black tea. He says that brushing teeth is bad for you. And he bathes
with
peppermint tea."
The place
she was staying at broke up and she had to move out and
the only apartment she could find was with a woman who was a drug
dealer. The
windows were leaky and she had layers of ice in her room that she had
to melt
with a blow dryer every evening, and every night druggies pounded on
the door.
She high-tailed it back to Emsdetten. Both her parents were dead by
then, but
they were still there in spirit, and her drug-addicted twin brother
began to
make life unbearable. After gathering her strength, she made a second
attempt
at Berlin in the nineties, and this time things went better, because
she moved
in with Bernd.
I always
thought Bernd got a raw deal. I met him only once, briefly,
much later. He looks like one of those cliché Germans with
short thinning hair
and round steel-rimmed glasses. He seems stiff and unsmiling and
formal, but he
is intelligent and his body is wiry and coiled and he is a Kung Fu
expert.
Claudia said he wasn't in touch with his feelings, but I believe the
only one
who wasn't in touch with his feelings for Claudia was Claudia.
They had
first slipped into a kind of relationship during her
initial onslaught on the city. I imagine that it was Claudia's
inscrutable face
that Bernd fell in love with. Back then, he would show up every
Thursday at
Claudia's friends' place and they would all play a game called Meyer.
You
rolled dice in a cup and told the guy next to you what number came up.
He had
to guess whether you were lying or not, then look in the cup to see if
he had
guessed right. When Bernd sat next to Claudia, he always read her poker
face
wrong.
"It was
completely fun to trick Bernd," said Claudia,
"because he always fell for it. I always had control and he was like
putty
in my hands. Then he started going after me. Apparently he liked
losing."
Bernd was shy and never had the guts to call and ask for Claudia
directly, so
he pretended to call her roommate - a friend of his - and chat a while
and then
hung up. He was hoping that someday Claudia would answer the phone by
chance.
"He was always calling and then my roommate said, 'He must be calling
for
you because he never used to call me.' But she was the only one he ever
talked
to."
She let him
love her, but for the most part she was toying with him,
full of mistrust. When she returned to Berlin for the second time, in
the
nineties, Bernd let her move in with him and play housewife for a while
until
she got a job.
"I was
always provoking him," she said. "He always
let me do everything and never said 'Stop!' or whatever, or he was
never
jealous. And then I would intentionally make him jealous at parties and
flirt
wildly with other men. I cheated on him totally often. He never
mentioned it.
Somehow I wanted him to fight for me somehow and get mad. His
unchanging
indifference drove me crazy. That was the point where I didn't trust
him. I
thought he can't love me, he doesn't really want anything from me,
except maybe
he wants me to make his lonely evenings nicer, or whatever."
By the time
they broke up, Berlin had finally become a little nicer
to her. She had befriended Paula the happy man-eater and they were
hanging out
all the time and together they had a kind of community of friends and
relations
and they were always eating together and this time the bottom didn't
drop out.
At the Lake
of Butchering, Claudia and I discussed mutantism.
"No matter what group you're in," she said, describing it, "or
what people you're with at the moment, you have the feeling that you
don't
belong."
It was easy
to talk about mutantism with Claudia, because I couldn't
pretend I wasn't one myself. She asked me if I thought I could do it if
I
wanted to - fit in with the non-mutant crowd. I said I was afraid I
wouldn't
know what to do. Sometimes when I try to make friends with people who
seem
normal, I feel like a fraud. I agree with them too much, I am always
nice,
always excited about everything. Only later, when I forget dates we
have made
or don't have time to call them back because in fact we have nothing in
common
that would inspire me to call back, only then do these guys figure out
that I
never meant anything I said and I am really just an asshole.
Claudia
claimed she could fit in if she wanted to. She knew how.
"That's why I was friends with Paula," she said. "I observed her
closely. I know what I have to do. I know I can do it. But I know it's
hard."
When
Claudia didn't find a world in Berlin suited to her needs, she
stopped searching. If it wasn't here, it wouldn't be anywhere, and she
learned
to live among the non-mutants. She didn't find a job that suited her,
but she
has one and she is sticking to it. She doesn't have the ideal man yet,
either,
but maybe that's just because most mutant men hang around in the wrong
bars.
That would be typical of mutant men. When Paula left Berlin for
Switzerland to
get married, it was a kind of betrayal, leaving Claudia alone, and I
thought:
That bitch, she'll do anything to get married. I was afraid Claudia
would break
down, but she didn't, and the friendship didn't end either. Sometimes
when she
is sad, she withdraws into her apartment and doesn't answer the phone.
But that
doesn’t mean she's been defeated, she's just gathering her
strength.
Claudia had
one important advantage that Suzi-Sara did not have: Her
greatest childhood wish was granted when her parents died. "It was the
best thing that could happen," Claudia said. "After they were dead,
everything got better. I couldn't take it if they were still living
today."
She tells
the story of how, when she was six or seven, she and her
twin brother plotted to kill their father. They had heard the phrase
'scared to
death' somewhere, and they decided that would be the best way to kill
him. When
a traveling carnival came to town, their older brothers and their aunt
gave
them some money to go, and it was just enough to buy a little rubber
monster, a
"squishy, green demon-monster with long claws and long teeth and a
long,
fire-red tongue and a long tail with spikes," a really repulsive, scary
thing. That night, they secretly laid it between his sheets so he would
see it
and have a heart attack when he got into bed. They waited in their room
next
door, listening through the half-open door, forcing themselves to stay
awake
until he finally stumbled home. They heard him get to the bedroom and
get his
clothes off and stumble into bed - but there was no scream. No sound at
all,
until he started snoring. He hadn't even noticed.
When I
asked her what she thought she would be in a perfect world,
she said, "I'd like most to be a seven- or eight-year-old girl in a big
family - girls like that are always loved, and they don't have to do
anything
for it."
At that
age, Claudia would climb through a hole in a fence near her
farmhouse home. She followed a long, winding footpath that led past the
fields
through shoulder-high grass until she was far from the house. At the
end of
this sand path was an orchard with fruit trees of all colors -
cherries, apples,
plums - that made the air sweet when they were in bloom. She calls it
"Paradise" and "a dream world" and "adventurous."
She found a nest of kittens there once, when the mother cat was away
hunting.
The field was filled with bog holes, and another time when she was
there with
four or five other kids, her twin brother fell into one and couldn't
get out
and she was afraid he was going to die, but they finally managed to get
him
out. But the picture most present in my mind of Claudia as a little
girl is a
ways down the path before it gets to Paradise, where it leads past a
field that
cows grazed in. She had a favorite cow there, and when she was sad and
lonely,
Claudia would go there and her favorite cow would come to the fence and
she
would pet it and tell it her stories.
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