Sehnsuch Berlin Mutantenfrauen von Berlin
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Ich verliebte mich in Claudia in der Nacht, in der sie mir erzählte, dass sie ihren Vater umgebracht hatte und danach ihre Mutter. Wir waren in meinem Bett. Ich wusste nicht, ob sie mich verarschen wollte, aber ich wusste, es hätte die Wahrheit sein können, und ich wusste, sie könnte auch mich umbringen, wenn sie wollte, und ich griff nach ihr, drehte sie um und machte mich erneut an ihrem Körper aus Granit zu schaffen. Damals begriff ich nicht, dass sie ein Mutant war, aber ich ahnte zum ersten Mal, dass Frauen in Berlin anders waren.

Als ich herzog, war das erste, was ich tat, eine Aufreißerbar ausfindig zu machen, die bequem zu Fuß zu erreichen war. Ich fand die berühmte Zoulou Bar. Man ging rein, und man konnte durch den Rauch hindurch den Sex riechen. Es war die Art, wie die Mädchen im Schatten ihre Position veränderten, wie sich Augen auf einen richteten, wenn man die Tür öffnete. Man musste sich an den Frauen, die an der Bar saßen, vorbei quetschen, und wenn man ihren Rücken streifte, wußte man, dass sie versuchten, einen zu mustern, ohne sich umzudrehen. So etwas hatte ich noch nie erlebt, weder zu Hause in Amerika noch irgendwo anders in Deutschland, obwohl ich hier schon seit einiger Zeit gelebt hatte. Ich war fest entschlossen, jede Nacht wilden Sex zu haben, und vielleicht hätte ich das auch geschafft, wäre ich nicht an die Mutantenfrauen von Berlin geraten.

Dies sind meine fünf Gesetze der Mutantenfrauen von Berlin: 1) Sie kommen nach Berlin, um aus irgendwelchen gewöhnlichen Umständen irgendwoanders herauszukommen. 2) Sie sind unfähig, einfach zu heiraten, Kinder zu bekommen und sich niederzulassen, oder aber Karriere zu machen und Profis zu werden und sich schuldig zu fühlen, weil sie keine Kinder haben, sich nicht niedergelassen haben, oder was auch immer vonnöten ist, um wie andere Mädchen zu sein. 3) Sie wissen nicht, warum sie zu all dem nicht fähig sind. 4) Sie sind sexy. 5) Sie sind scheinbar die einzigen Frauen, die sich mit mir unterhalten wollen.

Mutantenfrauen sind, ohne es zu wissen, mit einem unsichtbarem Gen gesegnet und verflucht, das es ihnen ermöglicht, erstaunliche, einmalige Dinge in bestimmten ungewöhnlichen Umständen zu vollbringen, die jedoch leider nie eintreten. Laut Darwin ist dieses Mutantengen bestimmten Mitgliedern der menschlichen Rasse mitgegeben, damit sie sich an unvorgesehene Veränderungen der Umwelt anpassen können, so diese Veränderungen jemals auftreten sollten. Ein Mutantenfisch könnte zum Beispiel Füße haben, was ihn sexuell anziehend machen würde, sollte alles Wasser auf der Welt plötzlich verschwinden. Aber bis das passiert, kichern alle Mädchenfische nur über ihn.

Einmal wurde ich einer nervösen, schönen 19jährigen Künstlerin, die früher Prostituierte gewesen war, vorgestellt, sie trug weite Batikkleider und hatte ein Batiktuch um ihren kahlen Kopf geschlungen. Sie kam aus irgendeiner kleinen Stadt, und ihr Arschloch-Freund hatte begonnen, sie an seine Kumpel in der Schule zu verkaufen, und sie hatte sich dummerweise darauf eingelassen. Jetzt, nur ein paar Jahre aus der Schule raus, hatte sie einen Tumor im Kopf und gerade die Chemotherapie abgebrochen und erwartete, in ein paar Monaten zu sterben. Ich ging mit ihr aus, auf ein paar Drinks, aber sie halfen nicht, ihre Nervosität zu beruhigen. Ich brannte darauf, sie auszuziehen, aber hinterher, als wir auf die U-Bahn warteten, beschloss ich, nicht zu versuchen, sie mit zu mir zu nehmen. Sie verabschiedete sich nicht, als ich sie in die U-Bahn schob, aber ich fühlte, dass sie mich verfluchte, weil ich sie abgelehnt hatte, so wie sie ihr unglückliches Leben verfluchte. Sie wird inzwischen tot sein. Jedes Mal wenn ein Buch oder ein Glas oder ein Apfel ohne ersichtlichen Grund von einem der oberen Regale fällt, packt mich der panische Gedanke, dass ihr Geist versucht, mich aus dem Nichts anzugreifen.

Inge war die einzige Frau in der Zoulou Bar, die älter als fünfzig war, und war somit aus dem Rennen, aber sie kam täglich so gegen ein oder zwei Uhr morgens. Als führte sie den Vorsitz von dem ganzen Hokuspokus, saß sie in einer Ecke, ein Bier vor sich auf dem Tisch, und beäugte lüstern die jungen Männer, um dreißig Jahre jünger als sie. Wenn man ihr Gelegenheit gab, erfreute sie einen mit Geschichten über die miesen, nutzlosen Schurken in ihrem Leben, die sich Männer nannten, und riet einem, sich die Haare schneiden zu lassen. Ich habe sie nicht mehr gesehen, seit das Management der Zoulou Bar gewechselt hat, und ich fürchte, sie ist bereits tot. Ich frage mich oft, wie viele andere Frauen, die ich kenne, ihre letzten Jahre so verbringen werden, wie sie es tat.

Sex mit Anna war Glückssache. Manchmal rief sie mich an und flehte, dass ich zu ihr kommen solle, und dann verschlang sie mich in fünf Minuten und ließ mich dann fallen. An anderen Tagen brach sie bei dem Gedanken an Sex in Tränen aus und nannte mich eine Bestie, weil ich so etwas vorgeschlagen hatte. Schließlich floh sie freiwillig in psychologische Behandlung und kam verlobt zurück. An dem Tag, an dem sie einen anderen Mann heiratete, sah ich, zwischen pastellfarbenen Kreuzen und den glühenden abstrakten Gemälden in ihrem Atelier, zwei Zeichnungen von außerirdischen, grünlich schimmernden Männern, die wie kosmische Besucher in der Tür standen, gekommen, um sie mit in ein besseres Zuhause zu nehmen. Als ich später erzählte, dass ich diese Bilder mehr mochte als alles andere, das sie je gemalt hatte, wusste sie nicht, wovon ich sprach.

Zwei Mutantenfrauen lernte ich etwas genauer kennen. Ihre Geschichten ähnelten sich, aber nach zehn Jahren in Berlin glaubt Susi-Sara noch immer, dass es eine Welt gibt, in die sie passt, während Claudia begriffen hat, dass sie für den Rest ihres Lebens unter Fremden leben wird.

 Susi-Sara wuchs als jüngstes Kind in einem großen Bauernhaus auf. In einer katholischen Familie mit dreizehn Kindern war sie das kleine Prinzesschen. Jetzt, auf die Dreißig zugehend, lebt sie in Berlin und scheint die meiste Zeit mit dem Versuch zu verbringen, zu begreifen, wann und wie ihr das Prinzesschen-Leben verleidet wurde.

 Sie erzählte mir von der Zeit, als sie versuchte, sich mit zwanzig Tabletten umzubringen. Als Teenager hatte man ihr Tabletten für ihren Kreislauf oder so was gegeben, und sie schluckte die ganze Packung, ohne vorher herauszufinden, was sie enthielten. Heute glaubt sie, dass sie einfache Placebos gewesen sein könnten. Am nächsten Morgen wachte sie spät auf, aber niemand hatte bemerkt, dass sie versucht hatte, sich umzubringen.

"Is' auch doof, oder?"

 Wir unterhielten uns auf einer Decke auf dem Rasen im Kleistpark, einem Berliner Park, der praktisch ein runder Rasenfleck ist, umgeben von den Gerichtsgebäuden, in denen die berüchtigten Nazi-Prozesse stattgefunden haben. Es war während der ersten Wochen des Sommers 2000, als die Sonne immer schien und der Himmel immer sehr blau war. Susi-Sara machte sich immer großstädtisch-elegant zurecht, aber heute trug sie ein rot-grünes Kopftuch um ihre kurzen, schieferschwarzen Haare, so wie es in diesem Sommer Trend war. Ihre blauen Augen funkelten, ihr Lächeln war warm und leicht und ihre Brüste waren großzügig und einladend - einfach alles, was man sich von einem Countrygirl wünschen könnte. Es war wie ein Picknick, bei dem ich einer von vielleicht zwölf Landjungs war, die alle hofften, von ihr erwählt und mit hoch auf den Heuboden genommen zu werden, und alle deuteten ihre Signale falsch.

Ihr Selbstmordversuch kam nicht lange nach der Sache mit den blutigen Hosen.

"Damals war ich zelten gegangen mit meiner Freundin und die Nachbarjungs – zehn Jungs oder so – haben in so einer Feldscheune geschlafen. Und dann sind wir abends hin und haben uns besoffen. Natürlich wollte jeder eine abknutschen so, und ich konnte mit der Situation nicht umgehen, ich war viel zu jung. Einer wollte unbedingt mit mir schlafen und so, ich war total überfordert mit der ganzen Situation, ich habe mich auch Scheiße gefühlt, aber zum Unglück habe ich in der Nacht meine Tage gekriegt und das nicht bemerkt und meine Hose war total blutig und ich lag morgens noch besoffen und mit dickem Kopf da und sie haben sich alle über mich lustig gemacht. Ich war 13, 14 Jahre alt. Dann kamen meine Nachbarn und standen so über uns und haben uns beschimpft und ich wäre eine alte Hure und würde was weiß ich machen. Dann kam mein Vater angebraust. Sie haben ihm Bescheid gesagt. Alle anderen sind verschwunden, und ich war dann da mit meiner blutigen Hose und er hat mich natürlich geschlagen und ich musste nach Hause."

Ich fragte sie, wie ihr Vater die blutige Hose interpretiert hatte – hatte er gedacht, dass sie mit einem der Jungs geschlafen hat? Mit mehreren? Dass sie in dieser Nacht ihre Jungfräulichkeit verloren hatte? Aber Susi-Sara wusste nicht, was ihre Familie dachte – sie hat es nie herausgefunden.

"Sie reden ja auch nicht darüber. Sie fragen nicht. Was ist dann passiert, oder Was ist überhaupt los? Was denkst du? So was gibt es nicht. Die haben nur gesagt, du bist eine alte Schlampe und du darfst den ganzen Sommer nicht raus und du musst arbeiten."

Ihre bitterste Klage über ihre Eltern betraf deren "Botschaften aus dem Bauch raus: man muss zur Kirche gehen, man muss einen ordentlichen Beruf lernen, man muss irgendwann heiraten, aber am besten keinen Sex haben, weil es unanständig ist. Alleine, dass man große Brüste hat, ist eine Katastrophe. Meine Mutter hat mir ständig auf die Brust geglotzt, ungefähr: die Sünde schlechthin."

Als sie darüber sprach, nahm ihre Stimme einen hilflosen Ton an und sie hätte beinahe geweint. Im Geist sah sie ihren Vater über ihr stehen, und sie war wieder sein 14jähriges Mädchen mit der blutigen Hose, unter seinem anklagenden Blick für immer erstarrt. Sie lachte, schniefte und sagte: "Nur eine kleine Geschichte von Tausenden."

Bevor sie den Bauernhof für immer verließ, lebte sie für kurze Zeit in einem Dorf, das nicht sehr groß war und nicht sehr weit entfernt lag – eine Art Trockentraining für die Unabhängigkeit. Dort wurde sie der Prostitution beschuldigt. Sie besuchte dort eine Fachhochschule für Pädagogik. Obwohl anderswo schon die 80er Jahre herrschten, war es in dem Wohnheim, wo sie wohnte, gegen die Regeln, wenn Männer über Nacht blieben. Eines Abends nahm sie ihren Freund mit nach Hause und er war zu betrunken, um noch fahren zu können, also schlief er dort, und am nächsten Morgen stürmte die Vermieterin ohne anzuklopfen herein und schmiss sie aus dem Bett. Dann schrieb sie Susi-Saras Eltern einen zwölfseitigen Brief, in dem sie sie der Prostitution beschuldigte und detailliert die Sexpraktiken beschrieb, die sie angeblich mit ihren Freiern ausübte. Sie verlangte 10.000 Mark Entschädigung, da derRuf ihres Wohnhauses ruiniert sei. Susi-Sara wusste, dass der Brief unterwegs war und rief zu Hause an, um ihre Brüder und ihre Mütter zu bitten, den Brief nicht zu öffnen, ehe sie nach Hause kam und alles erklären konnte, aber sie taten es natürlich trotzdem. Als die Vermieterin am selben Tag anrief, noch bevor Susi-Sara zu Hause angekommen war, entschuldigten sie sich für ihre Schwester/Tochter und erklärten, dass sie immer ein Problemkind gewesen sei. Schließlich kam ihr Vater, der fort gewesen war, zurück und las den lächerlichen Brief und brachte die Vermieterin vor Gericht, wo man herausfand, dass sie tief verschuldet sei und wiederholt in Irrenanstalten gewesen war. Aber es war zu spät: Sie wusste bereits, dass ihre Familie die letzten Leute auf der Welt waren, auf deren Unterstützung sie zählen konnte.

Schließlich fand Susi-Sara heraus, dass sie nach Berlin gehen musste. Zuerst besuchte sie die Stadt ein paar Mal und fand Gefallen an ihrem Tempo. "Dann habe ich einfach gesagt, ich ziehe nach Berlin, und alle anderen haben gesagt, Ja, da haben wir schon drauf gewartet. Die anderen waren nicht überrascht, ich war überrascht."

Als sie herkam, war sie ein Landei-Witz auf zwei Beinen: "Ich habe tausend Leute kennengelernt. Wenn mich jemand angeguckt hat, habe ich Hallo gesagt. Und das erste Mal, als ich U-Bahn gefahren bin, habe ich alle Menschen da drin kennengelernt. Ich kann es mir heute selber nicht mehr vorstellen. Wenn du auf dem Lande bist und jemand war extravagant gekleidet oder hatte Rastazöpfe zu der Zeit oder irgendwie so was, dann waren das einfach Leute, die für was anderes eingestanden sind wie das, was da passiert ist. Hier in Berlin waren auch all diese ganzen Leute und ich habe es nicht geblickt, dass es hier einfach Mode ist. Dass es nicht wirklich eine Lebensauffassung ist. Und ich bin halt rumgerannt nur mit offenem Mund."

Dann wurde es bitter. Sie bekam nicht die Wohnung, die ihr versprochen war und der Mann, der ihr Versprechungen gemacht hatte, hatte noch eine Handvoll anderer Frauen außer ihr. "Dann war es kein Zuckerschlecken mehr", sagte sie. "Ich konnte die Menschen nicht mehr einschätzen. Wenn ich Tabak kaufen gehen wollte, hatte ich die Taschen voll von irgendwelchen Sachen, die ich gar nicht brauchte. Ich hatte fünf Jesusanhänger, drei Penner und was weiß ich an meinen Hacken, mit denen ich fünf Stunden diskutieren musste, weil ich nicht nein sagen konnte. Auf dem Lande ist man immer nett, man kennt sich, wenn der Bürgermeister dich zum Tanzen auffordert, dann sagst du nicht nein, obwohl er ein Arschloch ist. Und dann stehst du da und dich packt jemand an den Busen oder sagt, He Alte, verpiss dich, und du kannst es nicht einschätzen, du denkst, du bist das Schlimmste auf der ganzen Welt."

Angst nahm Besitz von ihr und sie fühlte, wie sie in den Wahnsinn rutschte. "Ich saß oft allein zu Hause, und diese Fenster, die haben mich wahnsinnig gemacht, weil ich nicht wusste, was hinter diesen ganzen Fenstern steckte – Mörder, was weiß ich, ich habe immer negativ gedacht. Das Leben wurde halt immer mehr zu so einem Traum. Dann ist es so schlimm geworden, dass ich nicht mehr laufen konnte. Ich hab da manchmal in der U-Bahn gesessen, schweißüberströmt, und konnte mich nicht mehr bewegen vor Angst. Totale Panik. Wenn ich laufen wollte, sind mir die Beine weggesackt und es hat sich alles gedreht und ich habe mich manchmal an irgendwelche Treppengeländer gehangen und konnte mich nicht mehr bewegen und habe nur geheult und bin zweimal von der Feuerwehr abgeholt worden."

Nach einigen Aufenthalten in psychiatrischen Anstalten traf sie Freunde, die sie für eine Weile bei sich aufnahmen und ihr halfen, wieder auf die Beine zu kommen. Jetzt hält sie sich mit Sozialhilfe und einfachen Arbeiten über Wasser, aber sie weigert sich, die Hoffnung aufzugeben, dass irgendwann der richtige Job, das richtige spirituelle Rezept oder der richtige Mann sie umhauen und glücklich machen wird.

Sie hat Ausbildungsprogramme als Tischler, Kindergärtnerin, Goldschmied und Restaurateur gemacht, sie hat an Sozialprojekten mitgearbeitet und in einem Kinderzirkus, sie war Angestellte in einem Reformhaus, hat Kinder gehütet und nach Ladenschluss in einem Fahrradladen geputzt. Die New-Age-Therapien, die sie ausprobiert hat, waren unter anderem Lichttherapie, Verhaltenstherapie und Handauflegen, Familientherapie, aus der Hand lesen und Aromatherapie. Sie war in Indien, um einen Guru zu besuchen, hat Zeichenunterricht genommen und Trommel in einer Amateur-Samba-Band gespielt. Manchmal hat sie es mit der Veränderung so ernst genommen, dass sie ihren Namen von Susi zu Sara änderte und dann wieder zurück zu Suzanne. Ihre Hartnäckigkeit, vor der Realität nicht zu kapitulieren, ist ehrfurchtgebietend.

Sie suchte nach Liebe, aber fand sie nie. Nicht einmal eine Beziehung, die länger als ein paar Monate hielt. Und trotzdem, jedes Mal, wenn ich sie treffe, erzählt sie mir, dass sie verliebt ist, und sie seufzt und kichert und ich weiß, dass sie im Geist wieder 17 ist und zum ersten Mal verliebt.

Ich lernte sie in der Zoulou Bar kennen und es gelang mir nicht, sie ins Bett zu kriegen, weil sie mal wieder hinter einem Typ her war, der sich nicht für sie interessierte. Damals hatte sie ihre Schwarz-Afrikaner-Macho-Phase und jetzt hat sie eine Türkische-Macho-Phase. Sie machte aus mir den netten Nachbarn, der sich ihre Herz-Schmerz-Geschichten anhörte, immer wenn sie wieder vom neuesten süßen Tantra-Trainer oder raffinierten, selbsternannten Schauspieler/Regisseur abserviert worden war. Hätte ich etwas Selbstrespekt, dann hätte ich mich aus ihren Klauen befreit, sobald mir bewusst geworden war, das dies meine Aufgabe sein würde, aber ich konnte ihren großen Augen und der kleine-Mädchen-Stimme nicht widerstehen. Ich kompensierte das, indem ich sie ab und zu anschrie, damit sie die Arschlöcher wenigstens fragte, ob sie Freundinnen hatten, bevor sie sich in sie verliebte, aber sie wusste, dass ich neidisch auf sie war, weil sie sie so leicht haben konnten.

Eine gemeinsame Freundin von uns sagte mal über Susi-Sara, sie sähe magische Dinge, die andere nicht sehen und wertschätzen konnten, wie ein Taucher, der unter Wasser einen Schatz finden kann, aber nicht in der Lage ist, ihn an die Oberfläche zu bringen. Hätte man eine Blume auf dem Fensterbrett, die den Kopf hängen ließ, oder einen Stein, der unglücklich aussah, so könnte man sie anrufen und sie würde kommen und besänftigend mit ihnen reden und sie würden wieder aufleben, aber wen kümmert heutzutage schon das Glück von Blumen und Steinen? Ich stellte sie mir als eine dieser heiligen Huren/ Priesterinnen in einem archaischen Tempel vor, wo primitive Anbeter sie fickten und so all deren Sünden in sie flossen und von den Göttern aufgesogen wurden und die nächste Ernte würde gut sein. Einmal fragte ich sie, was sie am liebsten wäre, wenn sie die Wahl hätte, wenn die Welt sich ihren Bedürfnissen anpassen würde, und sie sagte verträumt: "Oh, wenn ich wählen müsste, genau eine bestimmte Sache zu sein, das wäre viel zu langweilig. Ich will alles sein."

Ich erblickte Claudia zum ersten Mal in der Zoulou Bar. Sie war groß und muskulös und saß ganz aufrecht auf ihrem Barhocker, obwohl sie betrunken war. Sie war mit ihrer besten Freundin Paula da. Während Paula die Bar mit einem ständigen, prächtigen Lächeln beehrte, hüllte Claudia sich in tiefe Vorsicht ein. Aber wenn sie einen mochte, schmolz das fort und sie wurde geschmeidig und sanft, sie senkte ihre Lider und es war, als sähe man die kalte, marmorne Venus wieder ein kleines Mädchen werden, sanft und leichtsinnig und neckend.

Ich versuchte die ganze Nacht, sie ins Bett zu kriegen. Ich erzählte ihr, ich wäre ein Schwede, der in Berlin nach den Spuren der Wikinger forscht; ich wäre ein australischer Country- und Westernsänger auf Deutschlandtournee; ich wäre ein Mormone aus Hawaii und studierte das Mittelalter, was stimmte, aber das glaubte sie natürlich auch nicht. Nichts funktionierte, aber sie ließ mich ihren durchtrainierten Bauch und ihre Armmuskeln fühlen und bot an zu beweisen, dass sie ein Kung Fu Experte war und wollte gleich dort gegen mich kämpfen. Später durfte ich sie ein wenig küssen.

Wir wurden Geliebte und sie quälte mich, indem sie mich im Regen stehen ließ, während ich verzweifelt an ihrer Tür klingelte, immer, wenn sie mit mir Schluß gemacht hatte, und ich quälte sie zurück, indem ich die Rechtschreibung in ihrem Abschiedsbrief korrigierte und ihr dann zurückschickte.

Ihr zäher Körper hatte etwas unbeeindrucktes, eichenhaftes an sich, und wenn wir zusammen waren, würde ihr Arsch mich verrückt machen und der Gedanke an ihn tut das noch immer. Ich wollte reinbeißen und einfach drauflos kauen. Ihre Reserviertheit verzehrte mich. Ich wollte sie in Ketten legen und ihr eine Lektion erteilen. In Paulas Wohnung alberten wir herum und plötzlich zog ich meinen Gürtel aus den Laschen und fesselte sie an die Sprossenwand, bis Paula aus der Küche kam und mir befahl, damit aufzuhören. Wenn wir fickten, schloss sie ganz konzentriert die Augen und schien sich an einen dunklen Ort zurückzuziehen, wo sie mit einer kleinen, flauschigen, gewalttätigen Kreatur um ihren Orgasmus zu ringen begann. Das vermisse ich immer noch. Wenn es wieder geschehen könnte, wenn sie es wieder geschehen lassen würde, wenn sie sich darauf einließe, würde ich mich nur ein klein wenig über den Abgrund namens Claudia beugen und direkt wieder reinfallen.

Als ich schließlich der nächsten Mutantenfrau ins Netz ging und sie betrog, sagte sie, es wäre wirklich schade –sie hätte gerade begonnen zu glauben, dass ich tatsächlich etwas für sie empfände.

Jahre später rief ich Claudia an und sagte, dass ich mit ihr über ihre Eltern reden wollte. Wir trafen uns an einem sonnigen Nachmittag am überfüllten Schlachtensee draußen vor Berlin. Claudia ging es besser als es ihr lange Zeit ergangen war: sie hatte einen neuen Job, neue Sachen und sah gut aus. Am See schwirrten etliche Gruppen 17jähriger herum, schlacksige Jungs mit coolen Haarschnitten und aufdringliche Mädchen mit straffen Brüsten und Sonnenbrillen, und eine Menge Hunde und fette Frauen ohne Oberteil.

Claudia saß da, zu einer Seite gelehnt, die Beine unter sich gefaltet wie ein Schneider, ihr enganliegendes, synthetisches, silbergraues Kleid glitzerte in der Sonne. Ich schaue gern zu ihr herauf, weil sie dann aussieht, als rage ihr Hals in den Himmel, und ich kann mir vorstellen, dass sie die Königin der Welt ist und insektenartige Außerirdische kämen in Tausenden von Raumschiffen, um die Erde zu besetzen, und das erste, was sie täten, wäre, uns zu befehlen, ihnen unsere Menschen-Königin zu senden, um mit ihnen zu verhandeln. Dann würden sich alle Präsidenten und Könige ansehen und sagen: "Menschen-Königin? Warum hat daran noch niemand gedacht?" Dann würden sie mich um Rat fragen und ich würde einfach auf Claudia zeigen.

Ich fragte sie, ob sie ihre Mutter und ihren Vater umgebracht hätte und sie lachte und sagte, dass sie mich nur verwirren wollte, und genau das tat sie am liebsten mit Männern.

Ihr Vater war in den 80er Jahren gestorben, bevor sie das erste Mal nach Berlin kam. Er fuhr von einer Bar auf dem Fahrrad nach Hause, als ihn ein Auto anfuhr. Ihre Mutter starb ein Jahr darauf.

Sie war gerade nach Berlin gezogen und war zufällig auf einen Sprung nach Hause gekommen an diesem Tag. Ihre Mutter und sie waren lange aufgeblieben und hatten geredet, und am nächsten Morgen wachte Claudia spät auf. Sie frühstückte und sah sich im Haus um, konnte aber ihre Mutter nicht finden. Schließlich ging sie ins Schlafzimmer und sah ihre Mutter ausgestreckt auf dem Ehebett liegen. Auf ihrem Gesicht waren blaue Venen hervorgetreten. Die Ärzte sagten, es hätte ein Herzinfarkt gewesen sein können, aber sie waren nicht sicher.

Claudia war in der kleinen Stadt Emsdetten auf dem Land aufgewachsen, mit ihrem Vater, der Mutter, ihrem Zwillingsbruder und den beiden anderen Brüdern in einer Hälfte eines Bauernhauses. Ihr Vater war Metzger und Baggerführer und arbeitete sein Leben lang in mehreren Jobs gleichzeitig. Abends trank er immer in einer dieser Dorfkneipen, die von denselben vier oder fünf Stammkunden leben. Sonntagmorgens schickte er die Kinder billigen Schnaps kaufen, es sei denn, seine Frau hatte schon welchen gekauft.

Claudias Mutter war sehr hübsch, das sagten alle. "Meine Mutter war eine total traurige Frau", sagte sie. "Sie hatte ihre eigene Angst vor ihm nicht vor uns versteckt. Sie hat ihn immer schlecht gemacht und hat immer gesagt, 'Ja, jetzt kommt er gleich nach Hause und jetzt müssen wir gucken, dass wir irgendwie ruhig sind, sonst dreht er wieder durch und...' Wir sind eigentlich immer mit Angst aufgewachsen. Der ist auch nachts nach Hause gekommen, sturzbesoffen, und hat irgendwelche Kumpels aus der Kneipe mitgebracht und hat sie aus dem Bett geholt und gesagt, 'Du musst jetzt was kochen,' und sie musste ihnen halt immer Bratkartoffeln machen. Die Typen haben sie auch angegrabscht und sie hatte auch Angst vor diesen Männern."

Ihre Depressionen wurden stärker und die Selbstmordversuche häufiger. Sie war für mehrere Monate lang im Krankenhaus und in der psychiatrischen Anstalt. Einmal schloss sie sich im Bad ein. Claudias Vater merkte es, aber anstatt etwas zu unternehmen, um rein zu kommen, rief er Claudia auf Arbeit an. Claudia eilte nach Hause, spähte durchs Schlüsselloch und sah den Kopf ihrer Mutter über dem Rand der Badewanne. Als sie ins Bad kamen, lag ihre Mutter bis zum Kinn im Wasser, nackt bis auf ein geripptes, weißes T-Shirt, das an der Wasseroberfläche trieb. Sie brachten sie gerade rechtzeitig ins Krankenhaus. Claudia sagte, das Abstoßendste war, das T-Shirt über dem nackten Körper der Mutter treiben zu sehen.

"Ich glaube, sie hat sehr darunter gelitten, dass ich weg gegangen bin. Weil, ich war die Tochter. Ich war die einzige, mit der sie auch geredet hat. Ich habe mich auch immer für sie verantwortlich gefühlt. Es war auch letztendlich der Grund, warum ich weggegangen bin, weil es mir zuviel wurde."

Meine Lieblingsgeschichte von ihrem Vater war die, wo er sie mit einem Fleischmesser durchs Haus jagte. "... und mit einer Schere. Mit dem Messer, das war, ja ... das war, als ich mit meiner Freundin zu Hause war. Eigentlich waren wir selten bei mir zu Hause, ich weiß gar nicht, warum wir bei uns waren. Meine Mutter war schon früh ins Bett gegangen. Irgendwann ging die Tür auf. Das hörte man auch, wenn der nach Hause kam. Der konnte nicht normal die Tür aufmachen, der ist wirklich reingestürzt, in die Wohnung gefallen, also reingestürzt. Er hat uns gesehen und hat sofort angefangen, rumzuschreien: 'Was macht ihr hier, und du, was bist du überhaupt für jemand?' Und zu mir hat er irgendwie 'Schlampe' gesagt. Da war ich vielleicht 14 oder so, 13, 14, 15, keine Ahnung. Dann hat er einfach die Küchenschublade aufgezogen und hat irgendwie ein Riesenfleischmesser da rausgeholt und hat mir gedroht: Ich stech dich ab, und ich zu meiner Freundin: 'Du geh jetzt'. Und sie war raus und hatte Schiss und stand wohl irgendwie ein, zwei Stunden vor der Tür, weil sie dachte, es wird noch was. Das war einfach das Schrecklichste, weil es jemand mitgekriegt hat. Ich hab dann irgendwann gesagt, 'Du bist ein altes Schwein und ich hasse dich', und dann ist er ruhig geworden: 'Was habe ich gemacht, was ist denn? Ich will doch gar nichts'. Dann wurde er irgendwie so kindisch. Kam immer hinter mir her und meinte, 'Es ist doch gar nichts, es ist alles in Ordnung, was hast du jetzt?' Völlig blöd."

Tiefe Verachtung trat in ihre Stimme, als sie ihren Vater für völlig blöd erklärte, dafür dass er nach einem Mordversuch diese Jammertour abzog.

Ein Bekannter ihres Bruders erzählte ihr von Berlin, "...dass es eine tolle Stadt ist, mit ganz tollen Leuten, und da wäre alles so frei, und es gibt ganz viele nette Kneipen, wo man Leute kennenlernt und drumherum gibt es Möglichkeiten, rauszufahren, und der Wannsee und Riesenparks und solche Sachen hat er mir erzählt. Er meinte, vielleicht wäre das eine Stadt für mich." Damals arbeitete sie in einem Imbiss, der an einer Landstraße lag und dort lernte sie einen LKW-Fahrer kennen, der regelmäßig nach Berlin fuhr, und so ließ sie sich von ihm mitnehmen.

Das war ihr erster Sturm auf Berlin gewesen, in den 80ern. Sie war paarundzwanzig und es ging ziemlich schnell bergab. Sie wohnte bei ein paar Leuten zur Untermiete, freundete sich mit ihnen an, und sie hing viel mit ihnen rum. Spät nachts gingen sie in eine schäbige Disco namens Bronx in Kreuzberg. "Das Bronx war ein Sumpf," sagte sie. ”Viele kaputte Leute da, und ziemlich dunkel, und ziemlich dreckig."

Manche ihrer Freunde kamen aus dem Abrutschen nicht rechtzeitig raus. Sie erzählt Walters Geschichte. "Walter ist so ein Superintellektueller, er hat unheimlich viele Fähigkeiten. Er ist erst mal musikalisch sehr begabt, dann hat er viele Fotos gemacht, er hat Jobangebote als Sportfotograf gekriegt und so. Ich glaube dadurch, dass er so viele Fähigkeiten hatte und soviel wusste, konnte er sich für gar nichts entscheiden. Deswegen hat er nichts gemacht, er hat immer in den Tag gelebt. Über die Jahre wurde er immer eigenartiger."

Er hatte überhaupt kein Geld, und als eine Freundin was suchte, wo sie ihre Möbel unterstellen konnte, zahlte sie ihm was, damit er alles in seine Wohnung stellte. Eine andere Freundin bezahlte ihn dafür, dass er ihre zwei Katzen nahm. "Da war dann überhaupt kein Platz mehr zum Wohnen. Walter hat unter den Tischen gewohnt und hatte noch eine Nische unterm Schrank. Die Katzen waren neurotisch und fühlten sich gar nicht wohl bei Walter und haben erst mal alles vollgepinkelt."

Letztendlich trat er einer Sekte bei und unterhielt seine Freunde mit spannenden Geschichten darüber, wie gut es bei ihm mit der Meditation voranging. "Jetzt", sagte Claudia, "lebt er wie so ein Penner. Er hat so einen Buckel gekriegt, und ganz schwarze Zähne, weil er sich nicht mehr die Zähne geputzt hat, sondern nur mit schwarzem Tee. Er meinte, Zähneputzen wäre schädlich, und wenn, dann dürfte man sie nur mit schwarzem Tee putzen, und er hat sie mit schwarzem Tee geputzt, und schwarzer Tee färbt. Und geduscht hat er sich mit Pfefferminztee."

Der Haushalt, wo sie wohnte, wurde aufgelöst und sie musste ausziehen und die einzige Wohnung, die sie finden konnte, war bei einer Drogendealerin. Die Fenster waren undicht und sie hatte eine Eisschicht auf ihrem Fensterbrett, die sie jeden Abend mit einem Fön abtauen musste, und jede Nacht hämmerten Junkies an die Tür. Sie flüchtete zurück nach Emsdetten. Ihre Eltern waren damals schon beide tot, aber im Geist waren sie noch zu spüren, und ihr drogenabhängiger Zwillingsbruder fing an, das Leben unerträglich zu machen. Nachdem sie all ihre Kraft zusammengenommen hatte, machte sie einen zweiten Versuch mit Berlin, in den Neunzigern, und diesmal klappte es besser, weil sie zu Bernd zog.

Ich war immer der Meinung, dass Bernd den kürzeren gezogen hat. Ich habe ihn nur einmal getroffen, viel später. Er sieht wie ein Klichee-Deutscher aus, mit kurzen, dünnen Haaren und runder, stahlgerahmter Brille. Er scheint steif und förmlich und lächelt nie, aber er ist intelligent, sein Körper ist drahtig und gewandt und er ist ein Kung Fu Meister. Claudia sagte, er wäre mit seinen Gefühlen nicht im Einklang, aber ich glaube, dass die einzige, die nicht mit seinen Gefühlen im Einklang war, Claudia war.

Anfänglich waren sie in eine Art Beziehung geraten, als Claudia ihren ersten Angriff auf die Stadt gestartet hatte. Ich denke, daß es Claudias unergründliches Gesicht war, in das sich Bernd verliebte. Damals kam er jeden Donnerstag zu Claudias Freunden nach Hause, und dann spielten sie alle zusammen ein Spiel namens Meyer. Man würfelte mit einem Becher, und sagte dem, der neben einem saß, welche Zahl gefallen war. Der musste dann raten, ob man log oder nicht, dann den Becher heben, um zu sehen, ob er richtig geraten hatte. Wenn Bernd neben Claudia saß, las er ihr Pokergesicht immer falsch.

"Es hat total Spaß gemacht, Bernd immer anzulügen, weil, er ist immer darauf reingefallen. Ich hatte alles unter Kontrolle, und der war mir ergeben. Dann hat er sich um mich bemüht. Es hat ihm anscheinend gefallen, dass er immer verloren hat. Er hat immer da angerufen, und dann hat meine Mitbewohnerin gesagt, 'Er ruft bestimmt wegen dir an, weil er hat mich nie angerufen, wir sehen uns immer nur an diesem Donnerstag oder eben auf einer Party.' Er hat eigentlich nur immer mit meiner Mitbewohnerin gesprochen."

Sie ließ zu, dass er sie liebte, aber die meiste Zeit spielte sie mit ihm, voller Misstrauen. Als sie zum zweiten Mal nach Berlin zurückkam, in den 90ern, ließ Bernd sie zu sich ziehen und für eine Weile die Hausfrau spielen, bis sie einen Job bekam.

"Ich hab den immer provoziert. Weil er hat mir immer alles erlaubt, und nie irgendwie Stopp gesagt oder war eifersüchtig oder so. Und dann habe ich ihn immer auf Parties absichtlich eifersüchtig gemacht, mit anderen Männern heiß geflirtet. Ich habe den auch total oft betrogen. Er hat nie was dazu gesagt. Irgendwie wollte ich mal, dass er irgendwie kämpft und sauer ist. Mich hat seine ständige Gleichmütigkeit rasend gemacht. Das war auch der Punkt, wo ich ihm nicht getraut habe. Ich dachte, er kann mich gar nicht lieben, er will eigentlich gar nichts von mir, er will vielleicht, dass ich ihm seine einsamen Abende netter gestalte, oder was weiß ich."

Als sie miteinander Schluss machten, war ihr Berlin endlich etwas angenehmer geworden. Sie hatte sich mit Paula, die fröhliche Sexbombe, angefreundet, und sie hatten einen gemeinsamen Freundes- und Bekanntenkreis, und sie aßen immer zusammen und diesmal behielt sie den Boden unter den Füßen.

Am Schlachtensee diskutierte ich mit Claudia über Mutantentum. "Egal in welcher Gruppe man gerade ist, man hat das Gefühl, nicht dazuzugehören."

Mit Claudia war es leicht, über Mutantentum zu reden, weil ich nicht so tun konnte, als wäre ich nicht selbst einer. Sie fragte mich, ob ich es könnte, wenn ich wollte – mich der Masse der Nicht-Mutanten anpassen. Ich sagte, dass ich Angst hatte, nicht zu wissen, was ich tun sollte. Manchmal, wenn ich versuche, mich mit Leuten anzufreunden, die normal wirken, komme ich mir vor wie ein Betrüger. Ich stimme ihnen zu oft zu, ich bin immer nett, ich finde immer alles toll. Erst später, wenn ich Verabredungen vergesse oder keine Zeit habe zurückzurufen, weil wir eigentlich nichts gemein haben, was mich veranlassen würde zurückzurufen, erst dann finden die Leute raus, dass ich nichts von dem gemeint hab, was ich gesagt habe, und dass ich in Wahrheit einfach ein Arschloch bin.

Claudia behauptete, sie könnte sich anpassen, wenn sie wollte. Sie wusste, wie das ging. "Deshalb war ich mit Paula befreundet," sagte sie, "Ich hab sie genau beobachtet. Ich weiß, was ich tun muss. Ich weiß, dass ich es kann. Aber ich weiß, dass es schwer ist."

Als Claudia in Berlin nicht die Welt fand, die ihren Bedürfnissen entsprach, suchte sie nicht woanders weiter. Wenn es sie hier nicht gäbe, gäbe es sie nirgends, und so lernte sie, unter den Nicht-Mutanten zu leben. Sie fand keinen Job, der ihr passte, aber sie hat einen, und sie behält ihn. Sie hat auch noch nicht den idealen Mann, aber das liegt vielleicht nur daran, dass die meisten Mutanten-Männer in den falschen Kneipen rumhängen. Das wäre typisch für Mutanten-Männer. Als Paula Berlin verließ, um in die Schweiz zu gehen, wo sie heiraten wollte, war es wie Verrat, Claudia allein zu lassen, und ich dachte: Diese Schlampe, sie würde alles tun, um zu heiraten. Ich befürchtete, dass Claudia zusammenbrechen würde, aber das tat sie nicht, und auch die Freundschaft der beiden Frauen zerbrach nicht. Manchmal, wenn sie traurig ist, zieht sie sich in ihre Wohnung zurück und geht nicht ans Telefon. Aber das bedeutet nicht, dass sie sich geschlagen gibt, sie sammelt nur ihre Kräfte.

Claudia hatte einen wichtigen Vorteil, den Susi-Sara nicht hatte: ihr größter Kindheitstraum erfüllte sich, als ihre Eltern starben. "Ich war erleichtert und befreit. Es war das Beste, was passieren konnte. Nachdem sie tot waren, wurde alles besser. Vorher war ich nicht fähig, glücklich zu werden. Für mich wäre es unerträglich, wenn sie heute noch leben würden."

Sie erzählt, wie sie und ihr Zwillingsbruder als sie sechs oder sieben waren, gemeinsam planten, ihren Vater umzubringen. Sie hatten irgendwo den Ausdruck "zu Tode erschrocken" gehört und beschlossen, dass dies die beste Art wäre, ihn umzubringen. Als eine Kirmes in die Stadt kam, gaben die älteren Brüder und die Tante ihnen ein bisschen Geld, damit sie hingehen konnten, und das reichte gerade aus, um ein kleines Gummimonster zu kaufen, ein "glitschiges, grünes Dämonenmonster mit großen Klauen, langen Zähnen und einer langen, feuerroten Zunge und einem langen Schwanz mit Stacheln", ein schrecklich hässliches, gruseliges Ding. In dieser Nacht legten sie es heimlich unter seine Bettdecke, damit er es sehen und einen Herzinfarkt bekommen würde, wenn er ins Bett ging. Sie warteten in ihrem Zimmer nebenan, bei halboffener Tür lauschend, sie zwangen sich, wach zu bleiben, bis er endlich nach Hause getorkelt kam. Sie hörten, wie er ins Schlafzimmer ging, seine Sachen auszog und ins Bett stolperte – aber es ertönte kein Schrei. Überhaupt kein Geräusch, bis er anfing zu schnarchen. Er hatte es nicht einmal bemerkt.

Als ich sie fragte, wer sie wäre in einer perfekten Welt, sagte sie: "Ich wäre am liebsten ein sieben-, achtjähriges Mädchen in einer großen Familie. So Mädchen werden immer geliebt, sie müssen gar nichts dafür tun."

In diesem Alter kletterte Claudia öfters durch ein Loch in einem Zaun nicht weit von Zuhause. Sie ging einen langen, verschlungenen Weg entlang, der durch schulterhohes Gras an Feldern vorbeiführte, bis sie weit weg von ihrem Haus war. Am Ende dieses Trampelpfades war eine Obstplantage in allen Farben – Kirschbäume, Apfelbäume, Pflaumenbäume – die einen süßen Duft verbreiteten, wenn sie blühten. Sie bezeichnet sie als "das Paradies" und "eine Traumwelt" und "abenteuerlich". Einmal fand sie dort ein Nest mit jungen Kätzchen, als die Katzenmutter gerade auf der Jagd war. Das Feld war voller Sumpflöcher, und ein anderes Mal, als sie mit vier oder fünf anderen Kindern dort war, fiel ihr Zwillingsbruder in eines dieser Löcher und kam nicht wieder heraus, und sie fürchtete, dass er sterben würde, aber dann schafften sie es doch, ihn rauszuholen. Aber das lebhafteste Bild, das ich von Claudia als kleinem Mädchen im Kopf habe, ist irgendwo auf dem Pfad, bevor man zum Paradies kommt, wo man an einem Feld, auf dem Kühe weideten, vorbeikam. Sie hatte dort eine Lieblingskuh, und wenn Claudia traurig und einsam war, ging sie dorthin, und ihre Lieblingskuh kam zum Zaun, und Claudia streichelte sie und erzählte ihr Geschichten.

 

Aus dem Englischen übersetzt von Kerstin Mächler

Mutant Women of Berlin

I fell in love with Claudia the night she told me she had murdered her father, and then her mother. We were in my bed. I didn't know if she was telling the truth, but I knew she could have done it, and I knew she could kill me too if she wanted to, and I grabbed her and turned her over and had another go at that granite body of hers. I didn't understand then that she was a mutant, but it was the first hint I had that women were different in Berlin.

When I moved here, the first thing I did was search out the best pick-up bar within walking distance, which turned out to be the famous Zoulou Bar. You walked into it and you could smell sex through the smoke. It was in the way girls shifted in the shadows, the way eyes turned on you when you opened the door. You had to squeeze past girls sitting at the bar and as you brushed their backs you knew they were trying to size you up without turning around. I had never seen anything like this back home in America, or even elsewhere in Germany, though I had been living here for some time. I was determined to get laid every night, and I might have succeeded, had I not run afoul of the mutant women of Berlin.

Here are my Five Laws of Mutant Women of Berlin: 1) They always come to Berlin to get away from usual circumstances elsewhere. 2) They are incapable of just getting married and having kids and settling down, or of having careers and becoming professionals and feeling guilty about not getting married and settling down, or whatever it takes to be like all the other girls. 3) They do not know why they are incapable of doing this. 4) They are sexy. 5) They are the only women who seem to want to talk to me.

Mutant women, unbeknownst to themselves, are blessed and cursed with an invisible gene that makes it possible for them to do amazing, unique things in certain unusual circumstances that unfortunately do not exist. According to Darwin, this mutant gene is given to certain members of the human race so that they can adapt to unforeseen changes in the environment, should these changes ever occur. A mutant fish might have feet, for example, which would make him sexually attractive should all the water in the world suddenly disappear. But until that happens, the girl fish just snicker at him.

I was introduced once to a nervous, beautiful nineteen-year-old former prostitute turned artist, dressed in loose batik dresses and wearing a batik shawl wrapped around her bald head. She was from a small town somewhere and her asshole boyfriend had begun selling her to his pals in school and she had stupidly gone along with it. Now, just a few years out of school, she had a tumor in her head and had just stopped undergoing chemotherapy and expected to die within a couple of months. I took her out for a couple of drinks that did nothing to calm her nervousness. I was dying to take her clothes off, but on the subway platform afterwards I decided not to try to get her home. She didn't say goodbye as I put her on the train, but I felt she was cursing me inwardly for rejecting her, as she was cursing the misery of her life. After that, whenever a book or a jar or an apple fell down from a top shelf for no apparent reason, the panicky thought slammed through my head that her ghost was taking potshots at me.

As the only woman over fifty in the Zoulou Bar, Inge was a fish out of water, but she always showed up after one or two in the morning. She presided over the hanky-panky from a corner with a beer on the table before her, lustfully eyeing the young men thirty years her junior. If you gave her a chance she would regale you with tales of the rotten, useless scoundrels in her life who called themselves men, and tell you to cut your hair. I haven't seen her since the Zoulou Bar changed management and I am afraid she is dead by now. I often wonder how many other women I know will live their last years like she did.

Sex with Anna was a crap shoot. Sometimes she would call and beg to come over and devour me in five minutes and leave me sagging. At other times she would break into tears at the suggestion of sex and accuse me of being an animal. Eventually she fled to a voluntary psychiatric retreat and came back engaged. On the day she married another man, among the pastel crosses and glowing abstracts in her studio, I spotted two paintings of unearthly, glowing green men standing in doorways like cosmic visitors come to take her to a better home. When I told her later that I loved those paintings more than anything else she had ever painted, she didn’t know what I was talking about.

I got to know two mutant women a little closer. Their stories were similar, but after about ten years in Berlin, Suzi-Sara still believes there is a world out there somewhere that she fits into, while Claudia understands she will be living among aliens for the rest of her life.

Suzi-Sara was the baby princess of a thirteen-kid Catholic family, growing up the youngest on a huge farm. Now, with her thirties coming on, she lives in Berlin and seems to spend most of her time trying to understand just when and how her princesshood turned sour.

She told me about the time she tried to kill herself by swallowing twenty placebos. As a teenager, she had been given pills for her circulation or something like that and she swallowed the whole bottle without actually finding out what was in them first. Looking back, she now thinks they might have been placebos. The next morning she woke up late, but no one noticed that she had tried to kill herself. As she wandered through the house confused, they complained that she had tried to get out of her chores by oversleeping. "Stupid, isn't it?"

We talked on a blanket in the grass in Kleistpark, a Berlin park that is basically a round patch of grass surrounded by the court buildings where the infamous Nazi show trials took place. It was during the first few weeks of summer 2000, when the sun was always blazing and the sky was always bright blue. Suzi-Sara usually looked very sleek and sophisticated, but today she wore a red and green farmer-style kerchief over her short jet-black hair, as was the trend that summer. Her blue eyes sparkled and her smile was warm and light and her breasts were generous and inviting and she was everything you could possibly want from a country girl. It felt like a picnic where I was one of maybe twelve farmer boys hoping she would choose me to go up to the hayloft with her, and reading all her signals wrong.

Her suicide attempt came not long after the episode with the bloody pants. "I went camping with my girlfriend, and the neighborhood boys - maybe ten boys or so - were sleeping in a silo not far away. In the evening we went over there and got drunk with them. Naturally they all wanted to fool around and I couldn't handle the situation, I was much too young. One of them especially wanted to sleep with me at any price and the situation was too much for me. I felt like shit. Even worse, I got my period during the night and didn't notice it and in the morning my pants were completely bloody and I was lying there still drunk and they all made fun of me. I was maybe thirteen or fourteen years old. Then the neighbors came out and stood over us and yelled at us and called me an old whore. Then my father came running out. They had told him about it. Everyone else was gone by then and I was there with my bloody pants and naturally he hit me and I had to go home."

I asked her how her father interpreted the bloody pants - did he think she had slept with one of the boys? With more than one? That she had lost her virginity that night? But Suzi-Sara didn't know what her family thought - she never found out. "They don't talk about it. They don't ask, 'What happened?' Or, 'What are you thinking?' They just said, 'You're an old slut and you can't go out all summer long and you have to get to work.'"

Her most bitter complaint about her parents was about their "Messages from the gut: You have to go to church, you need a proper occupation, you have to get married and ideally not have any sex because it's indecent. Even having big breasts is a catastrophe. My mother was always staring at my breasts, as if they were sin itself."

As she talked about it, her voice took on a helpless tone and she was close to tears. In her mind, she saw her father standing over her, and she was his fourteen-year-old girl again in bloody pants, frozen in his accusing stare forever. She laughed and sniffled, and said, "Just one little story among thousands."

Before leaving the farm for good, she did a short stint in a village not too big and not too far away, a kind of dry run to independence. There, she was accused of prostitution. She was going to a school there that specialized in pedagogical training. Though it was already the eighties elsewhere, in boarding house where she lived it was against the rules for men to sleep over. One night she took her boyfriend home and he was too drunk to drive back, so he slept there and the next morning the landlady stormed in without knocking and threw them out of bed. Then she wrote a twelve-page letter to Suzi-Sara's parents accusing her of prostitution and describing in detail the sexual practices she performed for her customers. She demanded 10,000 marks damages for ruining the reputation of her boarding house. Suzi-Sara knew that letter was coming and called home and asked her brothers and mother not to open it before she arrived and could explain, but of course they did. When the landlady called them that same day, still before Suzi-Sara had arrived home, they apologized for their sister/daughter and explained that she had been always a problem child. Finally her father, who had been away, returned and read the ridiculous letter and he took the landlady to court, where it was discovered that she was in grave debt and had been in and out of nut houses for some time. But it was too late: She already knew her family was the last people on Earth she could depend on for support.

Finally Suzi-Sara figured out that she had to go to Berlin. She visited the city a few times first, visiting friends, and got hooked on the excitement. "I said, 'I'm moving to Berlin,'" she said, "And the others said, 'Yes, we've been waiting for that to happen.' The others weren't surprised, I was the one who was surprised."

When she got here, she was a walking farmer's daughter joke. "I met a thousand people. If someone looked at me, I said hello. And the first time I took the subway, I met everyone in it. I can't imagine it myself anymore. When you live in the country and someone dresses extravagantly or wears his hair in a Rasta look or something like that, then those were people who stood for something different from what normally went on. All those people were here in Berlin too and I didn't see that it was just fashion here. That it wasn't really a philosophy of life. And so I was walking around with my mouth open."

Then it turned sour. She didn't get the apartment she was promised and the man she was promised had a handful of other women besides her. "Then it wasn't vacation anymore," she said.

"I couldn't judge people. When I went to buy tobacco, I came back with my pockets full of stuff I didn't need. I had five Jesus freaks, three bums and what do I know who else on my heels and I had to talk with them for five hours because I couldn't say no. In the country you're always nice, everyone knows you. If the burgermeister asks you to dance, you don't say no, even though he's an asshole. And then you're standing there and someone grabs your breasts or says, 'Hey, bitch, fuck off," and you can't figure out what it means, you think you're the worst thing in the whole world."

Fear took hold of her and she felt herself slipping into insanity. "I often sat alone at home and those windows (of the apartment building across the street), they drove me insane, because I knew what was behind those windows: Murderers, whatever, I was always thinking negative. Life became more and more a dream. Then it got so bad that I couldn't walk. Sometimes I sat in the subway, dripping sweat, and I couldn't move for fear. Total panic. When I tried to walk, my legs buckled under me and everything spun around and sometimes I was hanging onto some railing somewhere and I couldn't move anymore and I just cried. Twice the paramedics had to come pick me up."

After a couple of stints in mental wards, she ran into friends who took her in for a while and helped her get back on her feet. Now she survives from social services and menial labor, but she refuses to give up hope that someday the right job, spiritual recipe or man will sweep her off her feet and make her happy.

She has gone through training programs as a cabinet-maker, kindergarten teacher, gilder and restorer; she has worked in social projects and in a children's circus, she clerked in a health food shop and babysat and cleaned up after hours in a bike shop. The New Age schemes she has tried include light therapy and behavioral therapy and laying on of hands and family recreation and palm reading and aromatherapy. She has been to India to visit a guru and took drawing lessons and played drums in an amateur Samba band. At times she was so serious about changing that she switched her name from Suzi to Sara and then back to Suzanne. Her persistence in not surrendering to reality is awe-inspring.

She looked for love, but never found it. Not even a relationship that lasted for more than a few months. But still, every time I meet her she tells me she's fallen in love again and sighs and giggles and I know that in her mind she is seventeen again and falling in love for the first time.

I met her in the Zoulou Bar and failed to get her into bed because she was hung up on yet another guy who didn't care about her. She was in her black African macho phase then, and now she is in her Turkish macho phase. She turned me into the nice neighbor who would listen to her sob stories whenever she fell in love with or was cast aside by the newest pretty boy Tantra trainer or slick self-acclaimed actor/director. If I had any self-respect, I would have gotten out of her clutches as soon as I figured out that was going to be my job, but I couldn't resist those big eyes and her little-girl voice. I compensated by yelling at her once in a while to get her to at least ask these assholes if they have girlfriends before falling in love with them, but she knew I was jealous of them for having her so easily.

A mutual girlfriend said she thought Suzi-Sara saw magical things that others couldn't see and couldn't appreciate, like a diver who can find treasure underwater, but cannot bring it back to the surface. If you had a flower on the windowsill that was drooping, or a rock that looked unhappy, you could call her and she would come and talk soothingly to it and it would perk up again, but who worried about the happiness of flowers and rocks nowadays? I imagined her as one of those holy whores/priestesses in some ancient temple where primitive worshippers would fuck her and all their sins would flow into her and be sucked up by the gods and the crops would be good the next year. Once I asked her what she would most like to be, if she could be anything, if the world were customized to fit her needs, and she said dreamily, "Oh, if I had to choose some specific thing to be, that would be much too boring. I want to be everything."

 
I first laid eyes on Claudia in the Zoulou Bar. She was tall and muscular and sitting arrow-straight on her barstool despite being drunk. Her best friend Paula was with her. Though Paula graced the bar with a constant, glorious smile, Claudia enveloped herself in a deep caution. But when she liked you, that melted away and she turned willowy and soft and her eyelids drooped and it was like watching the cold, marble Venus turn into a little girl again, soft and frivolous and teasing.

I tried all that night to drag her into bed. I told her I was a Swede researching Viking remains in Berlin, I was an Australian country and western singer touring Germany, I was a Mormon from Hawaii studying the Middle Ages, which was true, though of course she didn't believe that either. Nothing worked, but she let me feel her buffed-up stomach and arm muscles and offered to prove that she was a Kung Fu expert by fighting me right there. Later, she let me kiss her just a little bit.

We became lovers and she tortured me by letting me stand in the rain frantically ringing her doorbell whenever she broke up with me and I tortured her back by correcting the spelling in her goodbye letters and returning them.

There was something unmoving and oaken about her tough body, and when we were together, her ass would drive me crazy and the thought of it still does. I wanted to bite into it and just chew away. Her aloofness consumed me. I wanted to put her in chains and teach her a lesson. In Paula's apartment we were horse-playing and I found myself ripping off my belt and tying her to a rack of exercise bars bolted to the wall until Paula came back from the kitchen and told me to knock it off. When we fucked, she clenched her eyes shut in concentration and seemed to recede to a dark place inside her, where a small but violent furry creature was waiting to wrestle. I still miss that. If it could come again, if she would let it, if she would make a move, I would lean forward just a little too far over the precipice that is Claudia and tumble right in again.

When I eventually ran afoul of the next mutant woman and betrayed her, she said it was too bad - she was just beginning to believe I really felt something for her.

Years later I called Claudia and said I wanted to talk to her about her parents. We met on a sunny day beside the overcrowded lake Schlachtensee outside Berlin. Claudia was doing better than she had in a while: She had a new job and new clothes and she was looking good. The lake was buzzing with groups of seventeen-year-olds, lanky boys with cool haircuts and tight-breasted girls with sunglasses and attitudes and a lot of dogs and fat topless women.

Claudia sat leaning on one hip, her legs folded under her like scissors, her synthetic, silver gray sheath dress dappled with sunlight. I love looking at her from a low angle, because she looks like her neck is reaching into the sky and I could fantasize about her being the Queen of the World, and insect-like aliens come in thousands of spaceships to invade Earth, and the first thing they do is tell us to send up our Queen Human to negotiate. Then all the presidents and kings of the Earth look at each other with panic on their faces and say, "Queen Human? Why didn't someone think of this earlier?" Then they come to me for advice and I just point to Claudia.

I asked her if she had killed her mother and father and she laughed and said she had only been playing with my head, which is what she likes most to do with men's heads.

Her father died in the eighties, before she moved to the Berlin for the first time. He was on a bike, riding home from a bar, when a car hit him. Her mother died a year later.

Claudia had just moved to Berlin and happened to be back home for a brief visit that day. Her mother and she had stayed up late talking, and the next morning Claudia woke up late. She got some breakfast and looked around the house and couldn't find her mother. Finally she went into her bedroom and saw her lying stretched out over the double bed. Her face was full of popped blue veins. The doctors said it could have been a heart attack, but they weren't sure.

Claudia grew up in the small town of Emsdetten, which was backcountry, with her father, mother, twin brother and two other brothers in one half of a farmer's house. Her father was a butcher and a dredger operator and worked several jobs at once for most of his life. In the evenings he would drink at a local bar, the kind of country village bar that live off the same four or five regulars. On Sunday mornings he would send the kids to buy cheap schnapps if his wife hadn't bought some already and he would drink at home, starting early, which is a tradition in Germany called "Fruehschoppen," or "early ladling," when you can afford to write off the whole day because you have no responsibilities except to relax.

Claudia's mother was very pretty, that's what everyone said. "My mother was a totally sad woman," she said. "She never hid her own fear of him. She always made him look bad and always said, 'Hey, he's coming home soon and we have to make sure that we're quiet now or he'll go berserk again.' We grew up with fear. Sometimes he would come home late at night, stumbling drunk, and he'd bring some drinking buddies from the bar and get her out of bed and say, 'You have to cook us something now,' and she always had to make fried potatoes for them. These guys grabbed at her, and she was afraid of those men too."

Her depressions got stronger and the suicide attempts became more frequent. She was in the hospital and in a mental ward for months at times. Once, she locked herself in the bathroom. Claudia's father found her but instead of doing something to get through the door, he called Claudia at work. She hurried home, looked through the keyhole and saw her mother's head peeking just above the rim of the bathtub. When they got in the bathroom, her mother was lying up to her chin in the water, naked but for a white ribbed t-shirt that floated near the surface. They got her to the hospital in time. The most repulsive part, Claudia said, was the sight of the t-shirt floating above her mother's naked body.

"I think it tormented her when I moved away," said Claudia. "Because I was the daughter. I was the only one she could talk to. I always felt responsible for her. In the end, that was the reason why I went away, because it was too much for me."

My favorite stories about her father are when he would chase her around the house with a meat knife. "...and with scissors," Claudia said. "The thing with the knife... that was when I was at home with my girlfriend. Actually we seldom went to my home, I don't know what we were doing there. My mother had already gone to bed, so early. Somehow the door opened. You heard it when he was coming home. He couldn't just open the door like normal, he really stumbled in he fell into the room, lurching.

"When he saw us, he immediately started screaming: 'What are you doing here?' And: 'You - who are you anyway?' He called me a slut or whatever. I was maybe fourteen or so, no idea. Then he just opened the kitchen drawer and pulled out a huge meat knife or whatever and threatened me: 'I'm going to slash you.' Then I said to my girlfriend, 'Go now.' And she was afraid to leave me alone and stood something like two hours outside the front door because she thought something was going to happen. That was just about the worst part of it, because someone else was seeing it happen. Then I said something like, 'You're an old swine and I hate you,' and then he calmed down: 'What did I do wrong? I didn't mean it.' Then somehow he became childish. He ran after me and said, 'It was nothing, everything is okay, what's wrong?' Completely stupid."

A deep scorn entered her voice when she called her father completely stupid for following up a murder attempt with a whining fit.

An acquaintance of her brother told her about Berlin. "He told me just that it was a really great city," she said, "with really great people, and that everything is so free there, and there are really great bars where you can meet people and on the outskirts there are all kinds of opportunities to get out, the lake Wannsee and huge parks and things like that, he told me. He said maybe that was a city for me." She was working in a diner at the side of a cross-country road and there she met a truck driver who frequently drove to Berlin, and hitched a ride with him.

That was her first assault on Berlin, in the eighties. She was twenty-something and it went downhill pretty quick. She roomed with some people who became friends and she hung out with them a lot. Late at night they would go to a ratty disco called the Bronx in Kreuzberg. "The Bronx was a swamp," she said. "A lot of broken-down characters," she said, "and pretty dark, and pretty dirty."

Some of her friends didn't get out of the downhill slide in time. She tells the story of Walter. "He is some kind of super intellectual," she said. "He can do all kinds of things. First of all he's gifted musically, then he took a lot of photos, he got job offers as a sports photographer. I think it was because he had so many abilities and knew so much that he couldn't choose one thing. So he didn't do anything, he ended up living day for day. Over the years he became weirder and weirder."

He didn't have any money, so when a friend needed a place to store her furniture, she paid him to keep it all in his apartment. Then another friend paid him to take on her two cats. "There was no more room to live at all," said Claudia. "Walter lived under the tables and then maybe there was another corner beneath the wardrobe. The cats were neurotic and didn't feel comfortable with Walter. They pissed everywhere."

He ended up joining a sect and entertained his friends with exciting stories about how well his meditation was coming along. Now, said Claudia, "He lives like a bum. He's gotten some kind of hunchback and he has totally black teeth because he doesn't brush his teeth anymore except with black tea. He says that brushing teeth is bad for you. And he bathes with peppermint tea."

The place she was staying at broke up and she had to move out and the only apartment she could find was with a woman who was a drug dealer. The windows were leaky and she had layers of ice in her room that she had to melt with a blow dryer every evening, and every night druggies pounded on the door. She high-tailed it back to Emsdetten. Both her parents were dead by then, but they were still there in spirit, and her drug-addicted twin brother began to make life unbearable. After gathering her strength, she made a second attempt at Berlin in the nineties, and this time things went better, because she moved in with Bernd.

I always thought Bernd got a raw deal. I met him only once, briefly, much later. He looks like one of those cliché Germans with short thinning hair and round steel-rimmed glasses. He seems stiff and unsmiling and formal, but he is intelligent and his body is wiry and coiled and he is a Kung Fu expert. Claudia said he wasn't in touch with his feelings, but I believe the only one who wasn't in touch with his feelings for Claudia was Claudia.

They had first slipped into a kind of relationship during her initial onslaught on the city. I imagine that it was Claudia's inscrutable face that Bernd fell in love with. Back then, he would show up every Thursday at Claudia's friends' place and they would all play a game called Meyer. You rolled dice in a cup and told the guy next to you what number came up. He had to guess whether you were lying or not, then look in the cup to see if he had guessed right. When Bernd sat next to Claudia, he always read her poker face wrong.

"It was completely fun to trick Bernd," said Claudia, "because he always fell for it. I always had control and he was like putty in my hands. Then he started going after me. Apparently he liked losing." Bernd was shy and never had the guts to call and ask for Claudia directly, so he pretended to call her roommate - a friend of his - and chat a while and then hung up. He was hoping that someday Claudia would answer the phone by chance. "He was always calling and then my roommate said, 'He must be calling for you because he never used to call me.' But she was the only one he ever talked to."

She let him love her, but for the most part she was toying with him, full of mistrust. When she returned to Berlin for the second time, in the nineties, Bernd let her move in with him and play housewife for a while until she got a job.

"I was always provoking him," she said. "He always let me do everything and never said 'Stop!' or whatever, or he was never jealous. And then I would intentionally make him jealous at parties and flirt wildly with other men. I cheated on him totally often. He never mentioned it. Somehow I wanted him to fight for me somehow and get mad. His unchanging indifference drove me crazy. That was the point where I didn't trust him. I thought he can't love me, he doesn't really want anything from me, except maybe he wants me to make his lonely evenings nicer, or whatever."

By the time they broke up, Berlin had finally become a little nicer to her. She had befriended Paula the happy man-eater and they were hanging out all the time and together they had a kind of community of friends and relations and they were always eating together and this time the bottom didn't drop out.

At the Lake of Butchering, Claudia and I discussed mutantism. "No matter what group you're in," she said, describing it, "or what people you're with at the moment, you have the feeling that you don't belong."

It was easy to talk about mutantism with Claudia, because I couldn't pretend I wasn't one myself. She asked me if I thought I could do it if I wanted to - fit in with the non-mutant crowd. I said I was afraid I wouldn't know what to do. Sometimes when I try to make friends with people who seem normal, I feel like a fraud. I agree with them too much, I am always nice, always excited about everything. Only later, when I forget dates we have made or don't have time to call them back because in fact we have nothing in common that would inspire me to call back, only then do these guys figure out that I never meant anything I said and I am really just an asshole.

Claudia claimed she could fit in if she wanted to. She knew how. "That's why I was friends with Paula," she said. "I observed her closely. I know what I have to do. I know I can do it. But I know it's hard."

When Claudia didn't find a world in Berlin suited to her needs, she stopped searching. If it wasn't here, it wouldn't be anywhere, and she learned to live among the non-mutants. She didn't find a job that suited her, but she has one and she is sticking to it. She doesn't have the ideal man yet, either, but maybe that's just because most mutant men hang around in the wrong bars. That would be typical of mutant men. When Paula left Berlin for Switzerland to get married, it was a kind of betrayal, leaving Claudia alone, and I thought: That bitch, she'll do anything to get married. I was afraid Claudia would break down, but she didn't, and the friendship didn't end either. Sometimes when she is sad, she withdraws into her apartment and doesn't answer the phone. But that doesn’t mean she's been defeated, she's just gathering her strength.

Claudia had one important advantage that Suzi-Sara did not have: Her greatest childhood wish was granted when her parents died. "It was the best thing that could happen," Claudia said. "After they were dead, everything got better. I couldn't take it if they were still living today."

She tells the story of how, when she was six or seven, she and her twin brother plotted to kill their father. They had heard the phrase 'scared to death' somewhere, and they decided that would be the best way to kill him. When a traveling carnival came to town, their older brothers and their aunt gave them some money to go, and it was just enough to buy a little rubber monster, a "squishy, green demon-monster with long claws and long teeth and a long, fire-red tongue and a long tail with spikes," a really repulsive, scary thing. That night, they secretly laid it between his sheets so he would see it and have a heart attack when he got into bed. They waited in their room next door, listening through the half-open door, forcing themselves to stay awake until he finally stumbled home. They heard him get to the bedroom and get his clothes off and stumble into bed - but there was no scream. No sound at all, until he started snoring. He hadn't even noticed.

When I asked her what she thought she would be in a perfect world, she said, "I'd like most to be a seven- or eight-year-old girl in a big family - girls like that are always loved, and they don't have to do anything for it."

At that age, Claudia would climb through a hole in a fence near her farmhouse home. She followed a long, winding footpath that led past the fields through shoulder-high grass until she was far from the house. At the end of this sand path was an orchard with fruit trees of all colors - cherries, apples, plums - that made the air sweet when they were in bloom. She calls it "Paradise" and "a dream world" and "adventurous." She found a nest of kittens there once, when the mother cat was away hunting. The field was filled with bog holes, and another time when she was there with four or five other kids, her twin brother fell into one and couldn't get out and she was afraid he was going to die, but they finally managed to get him out. But the picture most present in my mind of Claudia as a little girl is a ways down the path before it gets to Paradise, where it leads past a field that cows grazed in. She had a favorite cow there, and when she was sad and lonely, Claudia would go there and her favorite cow would come to the fence and she would pet it and tell it her stories.
 


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